Maikolumne

19. Mai 2005, 19:40
posten

So gefällt sogar mir das Christentum: die vielen freien Tage machen den Mai perfekt und auch die Wärme produziert Wonne

Endlich! Ich bin versöhnt und bester Laune und schwöre Ihnen, dass Sie mein monatliches Granteln und Frusteln heute vergeblich suchen. Denn dieser Monat hat, auch wenn's noch so abgedroschen klingt, die Wonne gepachtet. Er kann nur gut werden! Und das ganz ohne NLP-Suggestion.

Die positven Seiten des Mai überschlagen sich: im Freien sitzen und spazieren ohne zu frösteln, skaten, Rad fahren, picknicken ... vielleicht geht sich auch schon schwimmen in nahe gelegenen Teichen und Seen aus, wer weiß, das alles lässt mein Herz jedenfalls höher schlagen. Ich blühe auf, wie die Vegetation, deren zaghaftes Erwachen nach und nach einer übermütigen Üppigkeit Platz macht, wie ich aus den Fenstern meiner Wohnung - zwar nur an einigen spärlichen Bäumen - erkennen kann. Aber sogar diese einsamen, jetzt grünen, Gewächse erfreuen mein Auge und ich tröste mich und sie zugleich damit, dass ihre Geschwister an anderen Orten zu mehreren, oft riesigen Baumfamilien, angesiedelt sind.

Und dann noch die vielen Feiertage. Sie machen den Mai perfekt. Auch wenn der Tag der Arbeit unsinnigerweise auf einen Sonntag fällt, gibt's immerhin noch zwei freie Donnerstage (Christi Himmelfahrt und Fronleichnam) sowie einen Montag (Pfingsten); macht lediglich neunzehn Arbeitstage bei insgesamt einunddreißig Tagen, sehen wir einmal davon ab, dass ich als Freiberuflerin desöfteren gezwungen bin, an Sonn- und Feiertagen mein Brot zu verdienen. Trotzdem: so gefällt mir das Christentum, dem ich sonst rein gar nichts abgewinnen kann.

Angesichts dieser Positiva nehme ich sogar die gehäuften Eheschließungen im Mai mit einem schmunzelnden Auge in Kauf. Geradezu zwanghaft wird nun geheiratet, da muss ich erst gar nicht die Statistiken der Standesämter studieren, das anhaltend laute Gehupe der auffällig vielen Hochzeitsgesellschaften, die sich in Blumen- und Bänder geschmückten Autokolonnen durch mein Wohngebiet bewegen, genügt schon. Aber meine diesbezügliche Sozialkritik bleibt heute aus. Ich bin voller Wonne und weiß wieder genau, warum dieser Monat so genannt wird, jubelt Ihre dabu.

Eine Monatskolumne
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Endlich ein Monat, der Jubeln lässt!

Share if you care.