Labour in Umfragen trotz Irak-Turbulenzen auf Siegeskurs

5. Mai 2005, 23:06
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Divergierende Umfrageergebnisse geben Blairs Partei zwischen 36 und 50 Prozent - Tories liegen deutlich zurück - Mit Infografik

London/Wien - Drei Tage vor den Unterhauswahlen in Großbritannien scheinen auch die spät, aber doch noch ausgebrochenen Turbulenzen um die britische Beteiligung am Irak-Krieg Tony Blairs Labour Party nicht vom Kurs in Richtung eines dritten Wahlsiegs am 5. Mai abdrängen zu können. Laut einer Populus-Umfrage im Auftrag der "Times" wollen 42 Prozent Labour wählen, 29 Prozent für die Konservativen stimmen und 21 Prozent für die Liberaldemokraten. Andere aktuelle Umfragen zeigen Labour zwar nicht so weit in Front, aber durchwegs bei 36 bis 39 Prozent, die Tories deutlich zurück bei 31 bis 33 und die Libdems bei soliden 22 bis 23 Prozent.

Auch bereits in den vergangenen Wochen war Labour gegenüber den Konservativen in den verschiedenen Umfragen stets ein Vorsprung zwischen drei und acht Prozentpunkten prognostiziert worden. Sowohl die jüngsten Enthüllungen über seinerzeit von der Regierung geheim gehaltene Bedenken des britischen Kronanwalts Lord Goldsmith als auch über ein internes Papier, wonach Premier Blair bereits im Juli 2002 über eine Teilnahme am sich abzeichnenden Krieg im Irak gesprochen habe, hatten demnach bisher praktisch keine Auswirkungen auf die Wählergunst.

Unsicherheitsfaktor Wahlbeteiligung

Bleibt als Unsicherheitsfaktor die Wahlbeteiligung. Sie war nach jahrzehntelang hohen Werten zwischen 70 und 80 Prozent bei der letzten Wahl im Jahr 2001 drastisch auf 59 Prozent gefallen. Blair warnte seine Anhänger am Montag folgerichtig bereits eindringlich, Apathie und Proteststimmen für andere Parteien könnten Labour doch noch die dritte Amtszeit kosten.

Doch selbst bei deutlich schlechteren Umfragewerten wäre Blair der neuerliche Sieg schwer zu nehmen. Grund dafür ist das mehrheitsfördernde britische Wahlrecht mit seinen "Einerwahlkreisen": Gewählt ist in jedem Wahlkreis jener Kandidat, der die meisten Stimmen auf sich vereinigt - der Zweite geht leer aus, auch wenn er nur knapp geschlagen wurde.

Liberaldemokraten gehen meist überhaupt leer aus

Dazu kommt die Verteilung der Wahlkreise: So liegen die starken Bezirke der Tories vorwiegend im bevölkerungsreichen Osten und Südosten der britischen Hauptinsel. Dort sind durchschnittlich mehr Wahlberechtigte registriert als in den Labour-freundlichen Wahlkreisen in anderen Landesteilen. Für einen Sieg "verbrauchen" die Tories also proportional mehr Stimmen als Labour in ihren Hochburgen - und die Liberaldemokraten gehen meist überhaupt leer aus.

So holte Labour bei den letzten Wahlen im Jahr 2001 "nur" 40,7 Prozent der Wählerstimmen, damit aber gleich 63 Prozent der Unterhaus-Mandate. Die Tories dagegen besetzen im gegenwärtigen "Commons" nur ein Viertel der Mandate, obwohl sie 2001 immerhin 31,7 Prozent der Stimmen erhielten. Noch schlechter die Ausbeute für die Liberaldemokraten: Sie holten 18,3 der Stimmen, was aber nur für knapp acht Prozent der gegenwärtigen Unterhaus-Mandate reichte.

Labour bräuchte für Mandatsmehrheit nur 29 Prozent der Stimmen

Wahlexperten errechneten sogar, dass Labour aufgrund des Wahlrechtes und der Struktur der Wahlkreise für eine Mandatsmehrheit nur 29 Prozent der Wählerstimmen benötigen würde, wogegen die Tories dafür 41 Prozent einfahren müssten. Eine kleine Änderung wird es diesmal aber geben: Der gegenwärtig im Unterhaus repräsentierte Zuschnitt der Wahlbezirke, der noch 1990 von der damals amtierenden konservative Regierung festgelegt wurde, gilt für die Wahl am 5. Mai nicht mehr, die derzeit noch 659 Unterhaussitze werden 646 reduziert. (APA)

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