Heute: Schweiz fordert Tschechien

1. Mai 2005, 19:09
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Eidgenossen-Teamchef Krueger: "Eishockey ist keine Show und das ist unsere Chance" - Deutschland, USA und Schweden im Einsatz

Wien - Der Schweizer Eishockey-Teamchef und ehemalige Erfolgstrainer der VEU Feldkirch, Ralph Krueger, steht mit seiner Mannschaft vor dem schweren WM-Auftaktspiel gegen den mit NHL-Stars gespickten Titelanwärter Tschechien am Sonntag (16:15 Uhr) in der Wiener Stadthalle. Vier Stunden später bestreitet Deutschland an gleicher Stelle die zweite Begegnung der Vorrunden-Gruppe D gegen Außenseiter Kasachstan.

Die Eidgenossen wollen vor dem tschechischen Eishockey-Giganten mit Superstar Jaromir Jagr nicht mehr als den nötigen Respekt zeigen und keinesfalls in Ehrfurcht erstarren. "Es zählen weniger die Einzelspieler als die beste Mannschaft. Eishockey ist keine Show, und das ist unsere Chance", gibt sich Krueger kämpferisch. Der Deutsch-Kanadier studierte am Freitag das Video des Testspiels zwischen Tschechien und Kanada (1:2) vom Vortag und war dann von der Stärke des Gegners doch beeindruckt: "Grundsätzlich sind die Einzelspieler sehr stark. Sie waren das bessere Team, Kanadas Goalie Roberto Luongo hat aber den Unterschied gemacht."

Der überragende Individualist ist und bleibt die berühmte Nummer 68, Jagr. Der derzeitige New York Ranger, der während des NHL-Lockouts in der vergangenen Saison für Omsk in der russischen Liga spielte, hat mit Stanley Cup (1991 und 1992), Olympia- (1998) und WM-Gold (1994) alles gewonnen, was es im Eishockey zu gewinnen gibt. Kruegers Assistent Köbi Kölliker ist aber davon überzeugt, die Kreise des 33-jährigen Ausnahme-Stürmers nicht mit einem Sonderbewacher, einem so genannten "Rucksack", einengen zu können: "Sonst müssten wir 20 solcher Rucksäcke aufbieten, denn sie sind alle stark."

Während die Schweizer in der ersten Partie nur den selbst auferlegten Druck spüren, sieht dies bei den Tschechen ganz anders aus. Nach drei Titeln in Serie (1999-2001) folgte zuletzt eine ebenso lange Phase der Medaillenlosigkeit. Im August 2004 verstarb der legendäre Headcoach Ivan Hlinka nach einem tragischen Verkehrsunfall. Sein Nachfolger Vladimir Ruzicka brachte einen Monat später beim World Cup mit einem 6:1 gegen Schweden und der anschließenden Overtime-Niederlage im Halbfinale gegen den späteren Sieger Kanada die Kritiker vorerst zum Verstummen. Ein weiteres Turnier ohne Medaille würde aber wohl das vorzeitige Ende von Ruzickas Amtszeit bedeuten.

Der ehemalige NHL-Stürmer kann bei der 69. WM auf einen ausgeglichen starken Kader bauen. Im Tor steht Tomas Vokoun (Nashville). Die Verteidigung wird von Pavel Kubina angeführt. Der Hüne machte als Stanley-Cup-Sieger (2004 mit Tampa Bay Lightning) und ehemaliger Freund von Martina Hingis Schlagzeilen, zuletzt wurde er in der tschechischen Liga für 15 Spiele gesperrt, weil er einem Schiedsrichter Korruption unterstellt hatte.

Im Sturm fehlen zwar mit den verletzungsbedingt abwesenden Robert Lang (Detroit) und Milan Hejduk (Colorado) sowie Patrik Elias (schwere Hepatitis nach seinem Gastspiel in Magnitogorsk) drei Leistungsträger, ihre Absenzen dürften aber nicht allzu schwer ins Gewicht fallen. Nebst Jagr sollen Stars wie David Vyborny, Martin Rucinszky, Petr Sykora oder Martin Straka für ein Offensiv-Spektakel sorgen.

Das deutsche Team will mit der Abkehr vom Hurra-Eishockey und dafür alten Defensiv-Tugenden am Tag der Wahrheit in Wien bestehen. Das Motto lautet: "Lieber unattraktiv erstklassig bleiben als in Schönheit absteigen." Die vorsichtige Taktik soll beim Auftakt gegen Kasachstan wie beim 4:2 in Prag vor einem Jahr zum Sieg verhelfen und damit wohl bereits zum Klassenerhalt. "Auf dieses eine Spiel zielt unsere gesamte Vorbereitung ab. Es wird nicht leicht, aber wenn wir konzentriert zur Sache gehen, werden wir ein gutes Ergebnis erzielen", meinte Bundestrainer Greg Poss vor seinem WM-Debüt für Deutschland. (APA/SIZ/dpa)

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    Ralph Krueger

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