Tausende wegen Unruhen geflohen

6. Mai 2005, 23:29
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Vereinte Nationen erweitern Lager - Amnesty International warnt vor Eskalation

Genf/Lomé - Seit Beginn der Unruhen in Togo sind nach Angaben der Vereinten Nationen 18.500 Menschen aus dem westafrikanischen Land geflohen. Zehntausend Menschen seien in der vergangenen Woche in das Nachbarland Benin geflohen, 8.500 nach Ghana, sagte ein Sprecherin des UNO-Flüchtlingskommissariats (UNHCR) am Dienstag in Genf.

Um die Flüchtlinge in Benin unterbringen zu können, erweitere das UNHCR ein Lager in Lokossa, das 5000 Menschen aufnehmen soll. Lager in anderen Regionen würden vorbereitet. Der Flüchtlingsstrom aus Togo nach Ghana sei in den vergangenen Tagen zurückgegangen, sagte die Sprecherin.

Amnesty International warnt vor Eskalation

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) hat vor einer Eskalation der Unruhen im westafrikanischen Togo gewarnt. Seit der umstrittenen Präsidentschaftswahl vom 24. April habe die Gewalt in einem ungeheuren Maße zugenommen. "Es gibt Erschießungen und Plünderungen. Oppositionelle werden aus ihren Häusern gezerrt und verprügelt und die Häuser dann angezündet", sagte die Togo-Koordinatorin der deutschen AI-Sektion, Heinke Wunderlich, am Dienstag der deutschen Nachrichtenagentur dpa.

Die Gefahr sei sehr groß, dass die Gewalt eskaliere. Viel hänge davon ab, wie das amtliche Endergebnis der Wahlen aussehe, das vom Obersten Verfassungsgericht am Dienstagabend mitgeteilt werden sollte. "Wenn es überhaupt keine Veränderungen zu den Ergebnissen gibt, sind schreckliche Unruhen zu befürchten."

Es gebe bereits jetzt Berichte von Übergriffen auf Oppositionelle nicht nur in der Hauptstadt Lomé, sondern auch in den weiter im Landesinneren liegenden Städten Sokodé und Ataktamé. In Krankenhäusern und in Auffanglagern in benachbarten Benin würden Flüchtlinge mit Schusswunden behandelt.

Das togolesische Verfassungsgericht wollte am Dienstag das offizielle Endergebnis der umstrittenen Präsidentenwahl vom 24. April bekannt geben. Die Wahlkommission hatte den Kandidaten der Regierungspartei, Faure Gnassingbe, zum Sieger erklärt. Der Sohn des im Februar verstorbenen langjährigen Diktators General Gnassingbe Eyadema hatte nach amtlichen Angaben 60,22 Prozent der gültigen Stimmen erhalten. Oppositionelle berichteten von zahlreichen Übergriffen der Armee auf Wahllokale, in denen das Militär die Wahlurnen konfisziert und weggebracht habe.

Faure Gnassingbe war bereits nach dem Tod seines Vaters Anfang Februar von der Militärführung putschartig als Präsident des seit 1960 unabhängigen Landes eingesetzt worden. Nach heftigen Protesten im In- und Ausland gegen den Verfassungsbruch hatte er zurücktreten und Wahlen ermöglichen müssen. (APA)

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    Taudsende Togolesen fliehen vor den Unruhen.

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