Google Print auf Europatour

25. Mai 2005, 13:29
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Frankreichs Büchereien fürchten Digitalisierung

Google erweitert sein ambitioniertes Projekt zur Digitalisierung sämtlicher Bücher der Welt auf das europäische Festland. Mit der Aktion "Google Print" touren Vertreter der Suchmaschine seit dieser Woche durch Frankreich. Gespräche mit Verlagen haben noch zu keinen Zusagen geführt, denn viele Fragen sind offen geblieben, berichtet die Le Monde. Während einige Verleger eine Absichtserklärung unterzeichneten, formiert sich Widerstand aus den Büchereien, die eine Verunsicherung ihrer bereits prekären Situation befürchten.

Gespräche mit Verlegern

Der Chef von Google Frankreich hat über 130 französische Verleger getroffen und stellte ihnen einen Vertrag über die Digitalisierung von Büchern vor, der ab September in Kraft treten soll. Google will 20 Prozent des Inhalts online stellen. Mit Einverständnis des Verlegers plant der Marktführer unter den Suchmaschinen sogar den gesamten Inhalt online zu veröffentlichen. Um Raubkopien zu vermeiden hat Google bereits Sicherheitsvorkehrungen vorgesehen, die Büchern das Schicksal von Musiktiteln und Filmen ersparen sollen. Für Autoren ist keine Entschädigung vorgesehen. Das Projekt könnte jedoch an Googles Vertrag scheitern. Nach diesem sollen Autorenrechte nach US-amerikanischem Recht behandelt werden. Damit wären die französischen Urheberrechte ausgehebelt und etwaige Streitfälle würden vor ein kalifornisches Gericht gebracht.

Googles Absichten

"Google muss seine Absichten, die Autorenrechte betreffend, genau formulieren und darf die Besonderheiten der französischen Kultur nicht ignorieren", fordert Jean-Noel Jeanneney, Präsident der französischen Nationalbibliothek. Außerdem befürchtet der Direktor einer Bücherei in Toulouse, dass Google das Büchereiennetz in Frankreich schwächt. "Ich fürchte, dass sich Allianzen mit den Aushängeschildern des Onlinehandels wie Amazon oder Fnac bilden werden und dies zu einer Unsicherheit sowohl großer als auch kleiner Bibliotheken führen wird", veranschaulicht er seine Ängste. Mit dem Argument, Adresslisten mit Büchereien in der nächsten Umgebung anzugeben, kann Google den Bibliotheken die Ängste kaum nehmen.(pte)

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