Verunsicherung nach Anschlägen

7. Mai 2005, 10:29
46 Postings

Selbstmordattentäter haben in Kairo erneut Touristen - unter ihnen oberösterreichische Reisende - ins Visier genommen

Stunden nach zwei Anschlägen auf Touristen sind die Kontrollen überall in Kairo verschärft worden. Die neuen Attacken an belebten Touristenorten haben die Ägypter nachhaltig verunsichert, nachdem bereits am 7. April in der Nähe eines Bazars drei Menschen einem Anschlag zum Opfer gefallen waren. Am Samstag war ein junger Mann, der inzwischen als Ihab Yusri Yassin identifiziert wurde, während einer Verfolgungsjagd mit der Polizei von einer Brücke gesprungen und hatte dabei den Sprengstoff gezündet, den er bei sich trug. Zehn Passanten erlitten Verletzungen. Gut eine Stunde später eröffneten zwei in Schleier und schwarze Abbayas gehüllte Frauen das Feuer auf einen Bus mit oberösterreichischen Touristen im alten koptischen Viertel Sayeda Aischa im Süden Kairos.

Danach erschoss die eine Frau die andere und beging dann Selbstmord. Die 44 Insassen des Busses kamen mit dem Schrecken davon. Die Frauen waren laut Angaben der Polizei Yassins Schwester und seine Verlobte.

Die Tatsache, dass zum ersten Mal bei einem Anschlag in Ägypten auch Frauen dabei waren, bringt eine neue Qualität mit sich. Politische Beobachter schließen daraus, dass die allgemeine Frustration steigt, bedingt durch wirtschaftliche Probleme und allgemeine Unfreiheit. Vertreter von Menschenrechtsorganisationen äußerten zudem die Vermutung, die Frauen könnten im Zusammenhang mit polizeilichen Ermittlungen gefoltert worden sein und sich auf diese Weise gerächt haben.

Trotz der vielen Diskussionen um mehr demokratische Mitsprache hält die Repression des ägyptischen Regimes unvermindert an. Den gesetzlichen Rahmen dafür bietet der Ausnahmezustand, der Meinungs- und Versammlungsfreiheit und die persönlichen Rechte massiv einschränkt. Nach dem Bombenanschlag in Taba vom vergangenen Oktober hat die Polizei gleich mehrere Tausend Männer verhaftet und zum Teil erst nach Monaten ohne Gerichtsverfahren wieder freigelassen. Dabei sei Folter, um Geständnisse zu erzwingen, nicht die Ausnahme, sondern die Regel, meint der erste Bericht des von der Regierung eingesetzten Nationalen Rats für Menschenrechte. Nach dem Anschlag vom Samstag wurden inzwischen über 200 Menschen von der ägyptischen Polizei festgenommen.

Präsident Hosni Mubarak hat zwar angekündigt, dass er zum ersten Mal Präsidentschaftswahlen mit mehreren Kandidaten zulassen werde und er hat zu diesem Zweck sein eigenes Image in einem sorgfältig inszenierten sechsstündigen Fernsehinterview poliert. Tatsächlich unterliegen andere Kandidaten aber so vielen Restriktionen, dass von einem Wettbewerb nicht die Rede sein kann. (DER STANDARD, Printausgabe, 2.5.2005)

Von Astrid Frefel aus Kairo
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Schaulustige versammelten sich an der Explosionsstelle.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ein verletzter Tourist aus Israel wird versorgt.

Share if you care.