Interview: Bengt-Ake Gustafsson

4. Mai 2005, 10:35
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Der Ex-Feldkirch-Star kehrt als schwedischer Teamchef in seine "zweite Heimat" zurück - "Wir können jeden schlagen"

Innsbruck - Er hat Österreichs Eishockey in den 90er Jahren geprägt wie kein anderer - Bengt-Ake Gustafsson. Als Spieler wurde der mittlerweile 47-jährige Schwede zwei Mal Weltmeister (1987 und 1991), absolvierte insgesamt 117 Länderspiele und schaffte es in die "Hall of Fame" des Internationalen Eishockey-Verbandes (IIHF).

Nun steht der ehemalige NHL-Stürmer, der die VEU Feldkirch von 1994 bis 1998 jeweils als wertvollster Spieler der Liga zu fünf österreichischen Meistertiteln in Serie und 1998 zum sensationellen Euroliga-Triumph geführt hatte, wieder in Österreich im Einsatz, diesmal aber hinter der Bande als schwedischer Teamchef bei der WM in Wien und Innsbruck. Vor dem Auftaktspiel am Sonntag gegen die Ukraine sprach Gustafsson im APA-Interview über seine Erinnerungen, den Aufstieg des österreichischen Eishockey und die Erwartungen an sein schwedisches Team.

Frage: Was sind Ihre ersten Eindrücke von Innsbruck, der Arena, dem Umfeld?

Gustafsson: "Wir hatten einige Tage, um uns einzuleben. Die Trainingsmöglichkeiten sind sehr gut, wir haben täglich auf dem WM-Eis trainiert, um uns daran zu gewöhnen."

Frage: Was ist das für ein Gefühl, zurück nach Österreich zu kommen - dort, wo sie am Ende Ihrer aktiven Karriere so viel Erfolg gehabt haben?

Gustafsson: "Es ist ein tolles Gefühl. Ich habe Österreich immer geliebt, habe sehr gute und starke Erinnerungen. Österreich und Mitteleuropa sind wie eine zweite Heimat für mich geworden, weil ich hier eine lange und schöne Zeit meines Lebens verbracht habe."

Frage: Haben Sie Österreichs Eishockey-Sport in den vergangenen Jahren verfolgt?

Gustafsson: "Natürlich, man lässt enge Vertraute und die Vergangenheit nicht einfach hinter sich. Mit meinem Assistenten Tommy Samuelsson als Trainer des HC Innsbruck habe ich mich sogar noch intensiver damit beschäftigt. Da verliert man nicht den Kontakt."

Frage: Einige österreichische Spieler haben sich inzwischen in Übersee verdient gemacht. Wie beurteilen Sie die Qualität des österreichischen Eishockey im internationalen Vergleich?

Gustafsson: "Es gibt viele junge, sehr gute Spieler. Sie haben vielleicht ein bisschen mehr Leidenschaft und Willen als in vergangenen Tagen, als es in der österreichischen Liga doch sehr viele Legionäre und Doppel-Staatsbürger gegeben hat. Heute sind es die heimischen Akteure, die sich hervortun. Das ist wichtig für die Zukunft. So kann man dann auch den Sprung ins Ausland schaffen."

Frage: Welche Chancen geben Sie dem österreichischen Team bei der WM?

Gustafsson: "Sie müssen wie üblich ein wichtiges Spiel gewinnen, danach kann alles passieren. Wenn Weißrussland einmal geschlagen ist, kann man vielleicht auch anderen Teams Punkte abnehmen. Aber mein Rat wäre, vorerst alle Kräfte auf Weißrussland zu konzentrieren."

Frage: Schweden muss bei der WM auf einige Topstars verzichten. Wie wirkt sich die Abwesenheit von Namen wie Forsberg, Näslund oder Sundin auf die Erwartungshaltung aus?

Gustafsson: "Ich glaube nicht, dass wir große Namen vermissen. Wir haben einige verletzte Spieler zu Hause gelassen, einige haben das ganze Jahr über (auf Grund des NHL-Lockouts, Anm.) nicht gespielt. Wir haben trotzdem eine hervorragende Mischung, die nötige Erfahrung und sind mit dem zufrieden, was wir haben. Wir sind selbstsicher, jeden schlagen zu können. Wir werden tun, was man von uns erwartet. Und die Erwartungen sind groß."

Frage: Sie wissen, wie es ist, als Spieler Weltmeister zu werden. Welche Bedeutung hätte dasselbe jetzt als Coach?

Gustafsson: "Vorerst verschwende ich daran keinen Gedanken. Wenn wir dann plötzlich am Sonntag, dem 15. Mai, im Finale stehen, würde das natürlich besondere Emotionen hervorrufen. Es ist aber immer ein Unterschied, so etwas als Spieler oder Trainer zu erreichen. Als Spieler hat man die Möglichkeit, entscheidende Dinge zu tun. Als Coach kann man nur die besten Voraussetzungen schaffen - spielen müssen die Cracks selbst."

Frage: Sie haben in ihrer Zeit bei Feldkirch beinahe alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Was sind Ihre schönsten Erinnerungen?

Gustafsson: "Was wir in der Euroliga geschafft haben, war ein Wahnsinn. Eigentlich sollte es nicht passieren, dass ein so kleiner Verein wie Feldkirch der beste Klub Europas ist. Das war unglaublich, wir haben einen hervorragenden Job gemacht. Fünf Jahre in Folge Meister zu werden war auch herrlich - vor allem in der ersten Saison, in der ich neu gekommen bin. Wir haben damals eine ganz spezielle Mannschaft zusammengehabt."

Frage: Sie haben ja auch ihre Trainer-Karriere mehr oder weniger in Feldkirch begonnen...

Gustafsson: "Davor war ich sogar kurz Assistent beim Schweizer Nationalteam. In Feldkirch standen wir dann vor einigen Problemen - vor allem finanziellen. Es war sehr schwer, noch gut mit den Spielern zu arbeiten. Aber auch das war eine wichtige Erfahrung, die mich zu dem gemacht hat, was ich heute bin." (APA)

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    "Es gibt in Österreich viele junge, sehr gute Spieler"

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