Wie die Kunst von Linz ins Donaudelta kommt

29. April 2005, 21:31
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Linzer Studenten schippern auf einem Donauschlepper fluss-abwärts, machen Kunst, Architektur und Design und treffen andere interessante Europäer

Petra Stuiber über ein ungewöhnliches "Crossover"-Projekt.


"Besonders wichtig sind heuer", sagt Elsa Prochazka, die Professorin: "Reflexion, Entschleunigung, Vertiefung, Präzisierung, nicht forcieren, sondern kommen lassen ..."

Ihre Studenten dürfen also aufatmen, wenn sie am Sonntag vor dem Kunstmuseum Lentos ablegen. Denn in den vergangenen Wochen blieb ihnen nichts anderes übrig, als zu forcieren und zu beschleunigen. 30 junge Europäer bauten in den letzten Wochen einen ausrangierten Donau-Schlepper, das Steintransportschiff "Negrelli", in jenen Wohn-, Lebens- und Kunstraum um, in dem sie in den kommenden acht Wochen leben, arbeiten, feiern, reflektieren und andere Europäer kennen lernen werden. Sie sind Studierende von "raum & designstrategien", einem Studium an der Kunstuniversität Linz, das die Architektin Elsa Prochazka quasi "erfunden" hat. Dabei geht es um die Verschränkung von Kunst und Architektur, Raum und Raumdesign. "Das Ziel ist die Erlangung einer Querschnitt-Kompetenz, die in Zukunft immer wichtiger wird", sagt Prochazka. Die Wege zu diesem Ziel sind mitunter unkonventionell - so wie in diesem Jahr: Unter dem Titel "flagship europe" werden die Studenten samt Professorin am Sonntag in Linz ablegen und flussabwärts bis zum Donaudelta am Schwarzen Meer schippern - und wieder zurück. Während dieser Reise, auf der sie "fokussiert und zentriert in der unendlichen ,Langeweile' einer Schiffsreise" sein sollen, werden sie jene Kunstprojekte und Workshops vorstellen, die sie im vergangenen Studienjahr zu den Generalthemen "Reisen, Mobilität, die Donau" vorbereitet haben.

Die Donau bestimmt den Rhythmus: Seit Jahrhunderten eine der wichtigsten europäischen Kommunikationsadern, verlor sie im letzten Jahrhundert immer mehr an Bedeutung. Das Projekt soll ein Beitrag dazu sein, dass der Flusslauf künftig auch wieder mehr den Kommunikationslauf leitet - vor allem in Richtung der neuen und künftigen EU-Länder im Südosten und darüber hinaus. So wird die "Negrelli" zahlreiche Zwischenstationen einlegen, andere Studenten und Professoren, Designer, Architekten und Künstler werden an Bord kommen, gemeinsam wird man sich auf und über der "Donauader" austauschen. Über Wien, Bratislava und Budapest geht es weiter nach Osijek, Novi Sad, Belgrad, Vidin, ins Donaudelta und zurück.

Die Projekte versprechen interessant und bunt zu werden: Ein aus China stammender Student will Floße in Form von Blüten zu Wasser lassen - in Anlehnung an eine chinesische Tradition, nach der Schiffe mit ins Wasser gestreuten Blüten begrüßt und verabschiedet werden. Ein anderes Projekt beschäftigt sich mit dem "Spielfeld Donau": Der gesamte Donauverlauf wird sowohl im virtuellen als auch im realen Raum zum Spielfeld und bietet jeder Person mit Internetzugang die Teilnahme an der Donaureise. Dokumentiert werden die Projekte in der "Lese", der schiffseigenen Bibliothek, und im "virtuellen Logbuch".

Dass das Projekt überhaupt zustande kam, sagt Prochazka, sei ein "ungeheurer Kraftakt aller" gewesen - vom "Aufstellen" der Sponsoren bis hin zum Umbau des Schiffes als außeruniversitärer Standort der Kunstuni Linz. Das Ende der Reise ist für 1. Juli geplant - danach soll es eine Ausstellung geben, und die Stadt Linz plant als "Kulturhauptstadt 2009" ebenfalls eine Flussreise - nur diesmal vielleicht in die andere Richtung, bis nach Rotterdam.

DER STANDARD wird als Medienpartner die "Negrelli" begleiten - unter dem "flagship"-Logo berichten wir regelmäßig über den Verlauf der "Expedition". (DER STANDARD, Printausgabe, 30.04./01.05.2005)

  • Die "Negrelli" in neuer, umgewidmeter Pracht als "außeruniversitärer Standort" der Kunstuni Linz und temporäre Heim- und Arbeitsstätte für 30 Studenten und eine Professorin.
    foto: ufg

    Die "Negrelli" in neuer, umgewidmeter Pracht als "außeruniversitärer Standort" der Kunstuni Linz und temporäre Heim- und Arbeitsstätte für 30 Studenten und eine Professorin.

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    foto: ufg
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