Lordrichter erlauben "Designer-Babys"

17. Mai 2005, 11:00
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In Großbritannien dürfen künftig Babys mit dem Ziel "produziert" werden, bei der Heilung kranker Geschwister zu helfen

London - Die fünf Lordrichter entschieden am Donnerstagabend, dass die Genehmigung für eine künstliche Zeugung von Babys zur Heilung eines Geschwisterkindes von der Aufsichtsbehörde für Künstliche Befruchtung und Embryologie (Hefa) ausgestellt werden kann. Die als oberstes britisches Gericht fungierenden Law Lords bestätigten damit das Urteil eines Berufungsgerichts von April 2003.

Dem Urteil liegt der Fall eines Elternpaars aus Leeds zugrunde. Das Paar hatte mithilfe künstlicher Befruchtungsmethoden versucht, ein Baby zu zeugen, das denselben Gewebetyp hat wie ihr Sohn Zain. Der Sechsjährige leidet seit seiner Geburt an einer seltenen Blutkrankheit und sollte Stammzellen seines geplanten Geschwisterchens erhalten. Die Mutter erlitt jedoch nach gelungener künstlicher Befruchtung eine Fehlgeburt.

"Ersatzteillager"

Die Eltern hatten für die Zeugung eine Genehmigung der Hefa. Dagegen aber klagte die Gruppe "Comment on Reproductive Ethics" (Core), eine Vereinigung von AbtreibungsgegnerInnen. Deren Gründerin, Josephine Quintavalle, warnte vor einem "weiteren Schritt zu Menschen als Ersatzteillager". Im ersten Prozess bekam Quintavalle Recht. Nach dem Urteil des Berufungsgerichts zugunsten der Eltern trug die Gruppe Core den Fall den Lordrichtern an.

Zains Krankheit "Beta-Thalassämie major" baut rapide die für den Sauerstofftransport im Körper wichtigen roten Blutkörperchen ab. Die nach einigen Jahren meist tödlichen Folgen sind erhöhte Knochenbrüchigkeit, Wachstumsstörungen sowie Vergrößerung von Leber und Milz.

Blut bildende Stammzellen, so hoffen die ÄrztInnen und Eltern, könnten das Kind vielleicht dauerhaft heilen. Dazu müssen aber die Zellen seines Geschwisterchens dieselben Gewebemerkmale wie jene von Zain aufweisen; sonst würden die transplantierten Stammzellen von Zains Immunsystem als Fremdgewebe erkannt und abgestoßen.

Für Zains Rettung kommt das so genannte Tissue-Typing infrage, ein molekularbiologisches Analyseverfahren: Aus Ei- und Samenzellen von Zains Eltern werden im Reagenzglas mehrere Embryonen hergestellt. Diesen entnimmt man eine Zelle und untersucht sie auf Eignung. Nur jener Embryo wird in die Gebärmutter der Frau eingesetzt, der dieselben Gewebemerkmale aufweist wie Zain.

Die anderen Embryonen werden vernichtet oder für eine eventuell später gewünschte Schwangerschaft auf Eis gelegt. Kommt das "designte" Baby dann zur Welt, können die Stammzellen aus dessen Nabelschnur entnommen und dem kranken Bruder implantiert werden. (fei, DER STANDARD, Print, 30.4.2005)

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