Edler Stahl glänzt seit zehn Jahren

9. Mai 2005, 14:08
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Einst ein Problemfall der alten "Verstaatlichten", wurde Böhler-Uddeholm schließlich zur Börsen-Erfolgsstory, was in in illustrer Runde gebührend gefeiert wurde

Wien - "Nicht, dass wir vorher in der Verstaatlichten nicht sparsam gewesen wären. Aber 1995 beim Börsengang sind wir erstmals Leuten gegenüber gesessen, die uns ihr Geld anvertraut haben." An scharfen Seitenhieben made in Kapfenberg ließ es Böhler-Chef Claus J. Raidl beim Fest anlässlich der zehnjährigen Börsennotierung des steirisch-schwedischen Edelstahlkonzerns, nicht mangeln.

Zwischen launigen Rückblicken und nicht ohne Stolz vorgetragenen Erfolgsstorys, zu denen ausgewählte Gäste der heimischen Wirtschafts- und Bankenwelt geladen waren, auch so manche Offenbarung aus den Lehrjahren des heutigen Börsenaufsichtsrats: Ein One-on-One mit einem Investor oder Analysten hat so gar nichts mit einem Tétè-a-tétè gemeinsam und bei einer "Lunch-Presentation" dürfen nur die Zuhörer Mittag essen. Was vor zehn Jahren aufregendes Neuland war, sieht das Verstaatlichten-Urgestein heute als "stündliche Tests, ob unsere Strategie und Zahlen vor Investoren bestehen."

Insgesamt 260 Millionen Euro Dividende

Dass sie das tun, beweist neben den 260 Millionen Euro an Dividendenzahlungen, die die einst marode Böhler-Uddeholm an seine Aktionäre über die Jahre ausgeschüttet hat, das rege Anlegerinteresse, insbesondere der Investoren rund um den Anwalt Rudolf Fries, die einen stabilen österreichischen Kernaktionär abgeben.

An den Dividenden darf sich Finanzminister Karl-Heinz Grasser seit der Vollprivatisierung im November 2003 - übrigens eine der wenigen seit dem Jahr 2000, die ohne öffentliche Aufregung über die Bühne ging - nicht mehr delektieren. Er muss sich (seit der Abschaffung der Vermögenssteuer) mit "dem Bisschen" begnügen, das abfällt, wenn andere gut verdienen. Er freut sich dafür noch immer über die neue Schuldenfreiheit, der er die ÖIAG zugeführt hat. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.4./1.5.2005)

  • Kreuzen ab und an die scharfen Klingen: Finanzminister Karl-Heinz Grasser (li.) und Böhler-Chef Claus Raidl.
    foto: standard/fischer

    Kreuzen ab und an die scharfen Klingen: Finanzminister Karl-Heinz Grasser (li.) und Böhler-Chef Claus Raidl.

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