Lebensräume

1. Mai 2005, 11:00
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Am 1. Mai dieses Jahres wäre der Wiener Architekt Roland Rainer 95 Jahre alt geworden

Am 1. Mai dieses Jahres wäre der Wiener Architekt Roland Rainer 95 Jahre alt geworden. Vor einem Jahr ist er gestorben. Er wird vermisst, der alte Mann. Irgendwie war er eine Art architektonischen Gewissens in einer Zeit, in der das Grelle, Dekorative gelegentlich zu wichtig genommen, die Fassade zur bedeutendsten Visitkarte des Hauses wird. Rainers Grundsätze - vor allem den Wohnbau betreffend - waren streng, kosmopolitisch und richteten sich stets strikt nach den Bedürfnissen der Nutzer. Seine durchgrünten Siedlungen haben zwar bis heute Vorbildwirkung, doch seine Lehre muss aktiv weitergetragen, verbreitet und an die zeitgenössischen Lebenswelten angepasst werden.

Zum 90er bekam der Ehrenbürger der Bundeshauptstadt denn auch von Stadtplanung und Kammer ein Geburtstagsgeschenk in Form des Rainer-Stipendiums. Die diesjährige Neuauflage anlässlich seines 95ers stellt eine Ausweitung der Idee dar und ist ein "Internationaler Roland-Rainer-Ideenwettbewerb", der weltweit ausgeschrieben und mit einem Preisgeld von insgesamt 27.000 Euro dotiert ist.

Rainers Lebensthema bleibt im Zentrum: Architekten und Absolventen sind aufgerufen, neue Stadtquartiere anzudenken, neue Wohn-, Lebens, Arbeitsformen im städtischen Raum in Architektur zu gießen. Es handelt sich also um einen Theorie-Wettbewerb auf der Suche nach dem Ideal. Doch laut noch nicht veröffentlichtem Ausschreibungstext "strebt das Verfahren die Auszeichnung von realisierungsfähigen Vorentwürfen für ein Stadtquartier an". Und: "Auch wenn das Verfahren zuerst auf Ideen zielt, verstehen sich die Auslober dazu, das Projekt des Gewinners nach Abschluss so aufzubereiten und zu veröffentlichen, dass eine bauliche Umsetzung erleichtert wird." Der STANDARD wird über den Wettbewerbsstart, Ausschreibung und Termine demnächst ausführlicher berichten.

Parallel dazu ruft das Roland-Rainer-Komitee "die Notwendigkeit der Errichtung eines Roland-Rainer-Lehrstuhls, eines Roland-Rainer-Archivs und eines Roland-Rainer-Platzes in Erinnerung. Rainers einzigartige Architekturgesinnung muss als Herausforderung für das Baugeschehen für heute lebendig bleiben." (uwo/(ALBUM/ DER STANDARD, Printausgabe, 30.04./01.05.2005)

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