Waagner-Biro strukturiert nach "unbefriedigendem" Jahr 2004 um

9. Mai 2005, 13:40
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Zusammenfassung der Bereiche Brückenbau, Stahl-Glas-Technik und Montage soll Synergien bringen - IPO frühestens 2006 ein Thema

Wien - Der österreichische Maschinen- und Stahlbau-Konzern Waagner-Biro hat in einem schwierigen Geschäftsjahr 2004 Rückgänge bei Umsatz und Gewinn hinnehmen müssen. Der konsolidierte Umsatz der Waagner-Biro-Gruppe sank um 20 Prozent auf 173,4 (2003: 217,5) Mio. Euro. Das operative Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) vor Firmenwertabschreibungen stürzte von 10,2 Mio. Euro auf 0,2 Mio. Euro ab, der Jahresüberschuss schrumpfte von 5,7 auf 0,1 Mio. Euro.

"Unbefriedigenden Entwicklung"

Waagner-Biro-Vorstandsvorsitzender Helmut Wurzinger sprach heute, Freitag, in Wien von einer "unbefriedigenden Entwicklung". Insbesondere die Geschäftsbereiche Stage Systems (Bühnensysteme) und Stahl-Glas-Technik verzeichneten kräftige Umsatzrückgänge. Die Bühnensysteme litten am Hauptmarkt Deutschland unter stark gestutzten Kulturbudgets, zudem führten verschobene Großaufträge bei der englischen Hunslet-Barclay (Eisenbahnwaggons und Zugkomponenten) teils zu markanter Unterauslastung. Bei Stahl-Glas-Technik sei man bei etlichen Projekten nicht zum Zug gekommen, damit habe sich der Umsatz fast halbiert. "Wir haben das Quäntchen Glück in mehreren Fällen nicht gehabt", sagte Vorstandsdirektor Otto Biedermann.

Mit einer Neuordnung der Geschäftsfelder will das Management-Duo künftig neue Synergien heben. Die bisher unabhängig geführten Geschäftsfelder Brückenbau, Stahl-Glas-Technik und Montage sollen künftig in einem neu formierten Bereich Stahlbau zusammengefasst werden. "Eine strikt projektorientierte Abwicklungsorganisation soll es uns in Zukunft ermöglichen, Marktschwankungen in den einzelnen Sparten des Stahlbausektors besser auszugleichen", hofft Biedermann. Auch die Akquisition soll damit mehr Schlagkraft erhalten. Dazu kommen die Geschäftsfelder Stage Systems (Bühnensysteme), Binder+Co und Jenbacher UK mit den britischen Firmen Qualter, Hall und Hunslet-Barclay, die bisher dem Geschäftsfeld Brückenbau unterstanden.

Linzer ÖSWAG wurde verkauft

Verluste eingefahren haben im abgelaufenen Jahr die Bereiche Stahl-Glas-Technik (-1,3 Mio. Euro) und Jenbacher UK (-1,2 Mio. Euro). Positiv verlief der Geschäftsbereich Binder, der Maschinen für Umwelt-, Aufbereitungs- und Verpackungstechnik herstellt, wo der Umsatz um 14 Prozent (auf 40,7 Mio. Euro) und das EGT um 21 Prozent (auf 2,9 Mio. Euro) zulegte. Die Konzentration auf das Einzelmaschinengeschäft habe sich bewährt, mehrere Projekte in Frankreich seien erfolgreich umgesetzt worden. Die Linzer ÖSWAG wurde im Zuge eines Management-Buy-Out (MBO) verkauft, "den strategischen Zielen folgend". Als Vorzeigeprojekte gelten die Oper Kopenhagen sowie ein Tribünendach für die traditionsreiche englische Pferderennbahn Ascot, die Baubehelfsbrücke Marke "Fly-Over" wurde erstmals ins Ausland (Niederlande) exportiert.

Für das laufende Geschäftsjahr 2005 zeigen sich die Waagner-Biro-Manager zuversichtlich: Der - von 98,6 auf 80,4 Mio. geschrumpfte - Auftragseingang soll "deutlich ansteigen". Angepeilt wird ein leichtes Umsatzplus" und die Verbesserung des Ergebnisses. Wegen der Langfristigkeit des Geschäfts dürften die Früchte erst 2006 "in vollem Ausmaß sichtbar werden". Die Zahl der Mitarbeiter soll mit 1.050 stabil bleiben. Akquisitionen seien denkbar, derzeit aber nicht konkret geplant.

IPO derzeit "kein Thema

Ein möglicher Börsegang sei angesichts der aktuellen Entwicklung "derzeit kein Thema", das sei frühestens 2006 eine Variante. Biedermann und Wurzinger hoffen auf eine Stabilisierung der Stahlpreise. Als Wachstumsmärkte gelten der arabische Raum (Dubai), Spanien und China. (APA)

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