Auch Berglandmilch senkt Bauernmilchpreis

9. Mai 2005, 13:57
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Größte Molkerei zahlt ab Mai 1,75 Cent weniger - Keine Proteste erwartet - IG Milch bereitet weiter Lieferboykott vor

Wien - Österreichs größte Molkerei, die Berglandmilch mit Sitz in Pasching, hat nun wie auch andere Verarbeiter - allen voran die NÖM - vor der Sommer-Milchschwemme eine Senkung des Bauernmilchpreises beschlossen. Wie den 16.000 Berglandmilch-Lieferanten in einem Rundschreiben mitgeteilt wurde, wird der Bauernmilchpreis ab 1. Mai 2005 von 29,7 auf rund 28 Cent pro Liter netto gesenkt. Die Milchpreissenkung von 1,75 Cent wird offiziell erst kommenden Montag bekannt gegeben.

Bauernproteste gegen NÖM-Preissenkung

Der in Ostösterreich bestimmende Molkereikonzern NÖM hat per Anfang April den Literpreis auf unter 28 Cent gesenkt, was Bauernproteste hervorrief. Der Milchpreis ist derzeit wegen voller Lager EU-weit unter Druck. Zudem steht der Sommer ins Haus, in dem die Kühe mehr Milch geben.

Wie ein Milchpreisvergleich großer heimischer Molkereien, der auf der Homepage der IG Milch veröffentlicht wurde, zeigt, hat die NÖM im abgelaufenen Milchwirtschaftsjahr (April 2004 bis März 2005) mit 31,82 Cent pro kg Milch (4,1 Prozent Fett, 3,3 Prozent Eiweiß) inkl. MWSt. in Österreich den höchsten Milchpreis bezahlt, gefolgt von der Gmundner Molkerei mit 31,78 Cent und der Molkerei Freistadt mit 31,55 Cent. In Bayern lag der Bauernmilchpreis dennoch darüber: die Molkerei Bergader bezahlte etwa 32,18 Cent je kg, die Molkerei Jäger 32,15 Cent, geht aus den Unterlagen hervor.

Vorerst keine Kundgebungen

Zu Protestkundgebungen von Milchbauern - wie in den vergangenen Wochen vor der NÖM in Baden - dürfte es nach der Milchpreissenkung in Oberösterreich aber nicht kommen. Laut IG Milch-Vorstandsmitglied Ewald Grünzweil werde man die Entwicklung in Oberösterreich "beobachten", Kundgebungen seien vorerst keine geplant. Derzeit sei die IG Milch, die eine Anhebung des Bauernmilchpreises auf 35 bzw. 40 Cent je kg forderte, damit beschäftigt, den angekündigten Lieferboykott vorzubereiten.

Im Gegensatz zur NÖM, die den Bauernmilchpreis per 1. April gesenkt hat, nimmt die oberösterreichische Berglandmilch eine Veränderung des Milchpreises erst ab Mai vor: "Wir hatten ursprünglich budgetiert, die Erzeugerpreise ab April abzusenken. Nachdem wir aber gleichzeitig versprochen haben, die im Rahmen der Initiative 'Geschmack der Heimat' erzielte Preiserhöhung für Trinkmilch im Handel an unsere Bauern anteilsmäßig weiterzugeben, haben wir die Auszahlungspreise im April noch unverändert belassen", erklärte Berglandmilch-Geschäftsführer Josef Braunshofer.

"Saisonale Entwicklung, wie sie jedes Jahr eintritt"

Die Berglandmilch werde ihren Lieferanten die Milchpreissenkung "erklären", damit es nicht wie in Niederösterreich zu Protesten komme, so Braunshofer. Schließlich handle es sich um eine "saisonale Milchpreisentwicklung, wie sie jedes Jahr eintritt".

Zu dem von der NÖM und Raiffeisen angesprochenen gemeinsamen Vertriebskooperation meinte der Bergland-Chef zur APA, dass bis dato noch niemand an ihn herangetreten sei, die Berglandmilch aber zu Gesprächen jederzeit bereit sei. Wenn es sich um einen "gescheiten Vorschlag" handelt, "dann machen wir mit", so Braunshofer zur APA. Wenn es sich aber um zusätzliche Bürokratie handelt, "dann machen wir es nicht". (APA)

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