Forschungsquote wird 2005 auf 2,35 Prozent des BIP steigen

6. Mai 2005, 13:18
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Forschungsrat fordert Offensivprogramm - SPÖ sieht Regierungsziel "klar verfehlt" - mit Grafik

Wien - Die österreichische Forschungsquote, also die Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP), wird in diesem Jahr voraussichtlich auf 2,35 Prozent steigen. Das gab die Statistik Austria am Freitag in ihrer neuesten Schätzung der österreichischen F&E-Ausgaben bekannt. Mit insgesamt 5,77 Mrd. Euro liegen die Gesamtausgaben für diesen Bereich um acht Prozent höher als 2004 (5,35 Mrd. Euro).

Von den 5,77 Mrd. Euro kommen 36,6 Prozent von der öffentlichen Hand (vom Bund: 1,74 Mrd. Euro, Bundesländer: 329 Mio. Euro, Gemeinden, Kammern, Sozialversicherungsträger, etc: 45 Mio. Euro). 43 Prozent bzw. 2,48 Mrd. Euro werden von der Wirtschaft finanziert, 20,1 Prozent (1,16 Mrd. Euro) kommen aus dem Ausland (zum überwiegenden Teil mit heimischen Firmen verbundene europäische Unternehmen, die Österreich zum Forschungsstandort gewählt haben) und 0,3 Prozent (19 Mio. Euro) vom privaten gemeinnützigen Sektor.

Wachstum

Seit 1993 sind die F&E-Ausgaben um 150,7 Prozent und damit deutlich rascher als das BIP gewachsen, das in diesem Zeitraum um 53,1 Prozent gestiegen ist. Seit 1998 betrug der durchschnittliche jährliche Zuwachs des BIP 3,5 Prozent, der Zuwachs der F&E-Ausgaben 7,9 Prozent, jener der F&E-Finanzierung durch den Bund 6,8 Prozent und jener der F&E-Finanzierung durch die Wirtschaft 8,3 Prozent.

In die Globalschätzung wurden erstmals die kompletten Ergebnisse der F&E-Erhebungen von der Statistik Austria in allen volkswirtschaftlichen Sektoren über das Berichtsjahr 2002 einbezogen. Diese habe eine deutliche kontinuierliche Zunahme der F&E-Leistungen des Unternehmenssektors und für die Jahre 2003 bis 2005 zudem eine "markante Steigerung der Ausgaben der öffentlichen Hand" gezeigt, die die Steigerungsrate der Ausgaben des Unternehmenssektors "sehr deutlich übertraf und auf den Beitrag des Bundes zurückzuführen ist", heißt es in der Aussendung von Statistik Austria.

Regierungsziel

Die Regierung hat sich das Ziel gesetzt, die Forschungsquote bis 2006 auf 2,5 Prozent zu steigern. Außerdem fordert die EU bis 2010 einen durchschnittlichen F&E-Anteil am BIP von drei Prozent. Um dies zu erreichen fordert der Rat für Forschung und Technologieentwicklung (RFT) in seinem diese Woche veröffentlichten Tätigkeitsbericht 2004 eine Forschungs- und Technologieoffensive III für die Jahre 2007 bis 2009, ausgestattet mit entsprechenden Budgetmittel.

"Eine bloße Fortschreibung der Offensivprogramme und der Dotierung der Nationalstiftung ist dafür nicht ausreichend", so der RFT, der in dem Bericht die "teilweise nur unzureichend dotierten ordentlichen Budgets" als Schwäche des derzeitigen Systems kritisiert. Dies habe zur Folge, dass Teile der Offensiv- und vor allem auch der Stiftungsmittel nicht für zusätzliche neue Programme und Initiativen zum Einsatz kommen können, sondern zur Ersatzfinanzierung von Regelmaßnahmen verwendet werden müssen.

Reaktionen

Nach Ansicht von SPÖ-Wissenschaftssprecher Josef Broukal hat die Regierung mit einer Forschungsquote von 2,35 Prozent im Jahr 2005 das Forschungsziel "klar verfehlt". Er beruft sich dabei auf Experten, die bei der Steigerung gegenüber dem Vorjahr "das Doppelte" für nötig erachtet hätten, damit 2006 das von der Regierung selbst gesteckte Ziel von 2,5 Prozent Forschungsquote erreicht werden könne. "Im Budget ist das jedoch nicht absehbar", so Broukal in einer Aussendung.

"Herr Broukal leidet unter Realitätsverlust", meinte ÖVP-Wissenschaftssprecherin Gertrude Brinek zu den Aussagen ihres SP-Kollegen. "Angesichts einer Steigerung der Ausgaben für Forschung und Entwicklung um acht Prozent gegenüber dem Vorjahr, weise ich die Anschuldigungen von Broukal entschieden zurück", so Brinek.

Zufrieden zeigten sich Vizekanzler Hubert Gorbach (B) und Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) mit der Schätzung der Forschungsaufwendungen. "Wir sind auf dem richtigen Weg, die Maßnahmen der Bundesregierung zeigen Wirkung. Österreich kann als eines der wenigen europäischen Länder das Lissabon-Ziel, nämlich eine F&E Quote von drei Prozent im Jahr 2010, schaffen", so Gorbach. Gehrer verwies darauf, dass durch die Forschungsoffensive hochwertige Arbeitsplätze geschaffen wurden. So seien am Institut für Molekulare Biotechnologie in Wien 100, durch das Genomforschungsprogramm GEN-AU 190 hochwertige neue Arbeitsplätze geschaffen worden. (APA)

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