Staatsvertrags-Schau im Belvedere: "Rechenschaft" über Österreich

18. Mai 2005, 12:37
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Ausstellung "Das Neue Österreich" soll "Erfolgsgeschichte Österreichs mit all ihren Brüchen" präsentieren

Wien - Die 220 Meter lange Österreich-Fahne zieht sich schon durch den ersten Stock des Belvedere, und blinkende Computerbildschirme, herumliegende Kabel und so manche fertige Installation geben derzeit einen ersten Eindruck von der Staatsvertragsausstellung "Das Neue Österreich" (16. Mai bis 1. November). Die Schau werde den Österreichern die Möglichkeit bieten, "Rechenschaft darüber zu bekommen, was sie sind", so der wissenschaftliche Leiter der Schau, Günter Düriegl, bei einem APA-Lokalaugenschein.

Die Ausstellung werde keine "jubilierende" Selbstbeweihräucherung des Landes präsentieren, sondern die "Erfolgsgeschichte Österreichs mit all ihren Brüchen", schilderte Düriegl über den Lärm surrender Bohrer und hämmernder Mitarbeiter. Die anlässlich des Jubiläumsjahres 2005 am Ort der Staatsvertragsunterzeichnung verwirklichte Ausstellung behandelt das gesamte 20. Jahrhundert und reicht bis ins Jahr 2005, will jedoch "nicht mit dem erhobenen Zeigefinger durch die Geschichte führen". Von "Zerfall & Neuorientierung" nach dem Ersten Weltkrieg über Erste Republik, NS-Herrschaft, Staatsvertrag und "Kalter Krieg & Eisener Vorhang" bis zum heutigen Tag erstrecken sich die Themen der Schau.

Zugang

Dieser umfassende Zugang sei für die Besucher der Staatsvertrags-Ausstellung notwendig, um geschichtliche Zusammenhänge und Vergleiche aufstellen zu können, so Düriegl. So sei etwa die wirtschaftliche Ausgangslage für die immer wieder als nicht überlebensfähig verschrieene Erste Republik viel besser gewesen als für die Zweite Republik. Auch den Bruch der NS-Herrschaft können die Besucher besser nachvollziehen, wenn sie die Vorgeschichte kennen, sagte Düriegl.

Konflikte im "sehr vielfältigen" Wissenschafterteam, das den Inhalt der Schau erarbeitet hat, habe es auch bei den kontroversiellen Punkten der jüngeren österreichischen Geschichte nicht gegeben - "und zwar nicht wegen übermäßigen Nachgebens, sondern wegen gemeinsamen Wissens", sagte Düriegl. Auch von den Geldgebern - Bund, Stadt Wien und ein Proponentenkomitee um Hannes Androsch zahlten je ein Drittel der 2,1 Mio. Euro teuren Schau - habe es "keinerlei Einflussnahme" gegeben.

Im wissenschaftlichen Team der Schau sind u. a. Manfried Rauchensteiner ("Zerfall und Neuorientierung", "Besatzungszeit/Staatsvertrag"), Anton Pelinka ("Zwischenkriegszeit"), Helene Maimann ("NS-Herrschaft"), Herbert Matis ("Krisen und Wohlstand") und Ernst Bruckmüller ("Neutralität und Vereinte Nationen") vertreten. Die Kunstwerke wurden von Tobias Natter kuratiert. Der Katalog zur Schau erscheint als je eigenes Buch in vier Sprachen (deutsch, englisch, französisch und russisch). (APA)

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    Blick auf den Balkon des Schlosses Belvedere am Freitag, 29. April 2005 (r.), und beim Präsentieren des unterzeichneten Staatsvertrages durch Bundeskanzler Leopold Figl am 15. Mai 1955.

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