Besetzung Dänemarks ließ Kolonie Grönland "verwaisen"

2. Mai 2005, 09:00
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Okkupation durch Wehrmacht am 9. April 1940 führte zu Selbstverwaltung der Insel - derzeit historische Ausstellung in Nuuk

Nuuk/Helsinki - Während Grönland und Mutterland Dänemark seit vergangenem September die politische Zukunft der Nordatlantik-Insel diskutieren, läuft derzeit in der Hauptstadt Nuuk eine Ausstellung, die sich mit der Zeit der Quasi-Selbstständigkeit Grönlands beschäftigt. Diese liegt nicht all zu weit zurück: Zwischen 1940 und 45 war Mutterland Dänemark nämlich von Hitlers Truppen besetzt. Grönland - damals noch mit dem Status einer Kolonie - war somit plötzlich "verwaist".

Nachdem Dänemark am 9. April 1940 besetzt wurde, nahmen die Grönländer ihre Regierung vorübergehend selbst in die Hand und bildeten eine gemeinsame Versammlung der Landesteile, die im Mai 1940 in Godhavn/Qeqertarsuaq erstmals zusammen trat. Um die Versorgung der abgeschnittenen Kolonie zu gewährleisten, wandten sich die Gouverneure Eske Brun und Axel Svane an die USA und Kanada. Die USA wurden auch um militärischen Schutz gebeten.

Kryolith

Finanzieren konnten sich die Grönländer während der Kriegsjahre dank des seltenen Minerals Kryolith (Eisstein), ein als Flussmittel bei der Aluminium-Herstellung verwendetes und somit für die Flugzeugproduktion wichtiges Mineral. Bei dem Bergbau in Ivigtut in Südgrönland handelte es sich um das einzig bekannte natürliche Vorkommen von Kryolith. Die Mine wurde 1987 stillgelegt.

Anekdoten

Die Schau "Der Zweite Weltkrieg und Grönland" soll nach dem 12. Juni auf Wanderschaft gehen und auch in anderen Orten Grönlands vor allem Schüler über die jüngere Geschichte ihres Landes informieren. Der leichteren Verdaulichkeit halber wartet die Ausstellung mit vielen kuriosen Gegenständen und Anekdoten auf:

So etwa jene von Marlene Dietrich, die 1944 bei einem Auftritt auf der US-Luftwaffenbasis in Narsarsuaq einen ihrer goldfarbenen Schuhe verlor. 50 Jahre später tauchte der Schuh in der Mülldeponie der Basis wieder auf. Allerdings ist das historische Kleinod mittlerweile wieder verschollen. Oder die von der einzigen "Reparationszahlung", die Grönland je für Kriegsgeschehnisse erhalten hat. Als nämlich 1942 ein amerikanischer Pilot in einem Heuhaufen notlanden musste und der grönländische Bauer dafür eine Krone und 50 Öre Schadenersatz erhielt.

Kriegshandlungen

Von echten Kriegshandlungen blieb die größte Insel der Welt übrigens nur beinahe verschont: Bei dem Scharmützel zwischen einer grönländischen Schlittenpatrouille und der Besatzung einer deutschen Wetterstation auf der nordostgrönländischen Insel Sabineö ("Unternehmen Holzauge") am 13. Mai 1943 wird einer der Männer der Patrouille getötet. Die Deutschen mussten die Beobachtungsstation nach einem Bombardement durch US-Flieger kurz darauf aufgeben. Einer der Patrouillenmänner hatte nach dem Gefecht entkommen können und den Amerikanern die genaue Lage der deutschen Station berichtet.

Am 5. Mai 1945 war der Spuk vorbei und Grönland feierte die Rückkehr unter die Obhut der Dänischen Krone. Es sollte bis 1953 dauern, bis Kopenhagen die Insel zu einer vollwertigen dänischen Provinz erklärte. Seit 1979 hat Grönland sein eigenes Parlament und ist innerhalb einer "Reichsgemeinschaft" mit Dänemark weitgehend autonom.

(Quellen: Grönländisches Nationalmuseum, Gemeinde Nuuk, Württembergische Landesbibliothek ... APA)

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