Viel Lärm um keinen Dopingfall

21. Mai 2005, 12:43
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Brisantes Privatvideo von Teamverteidiger Cannavaro gelangte zur RAI - Das verabreichte Mittel Neoton steht aber nicht auf der Dopingliste

Rom - Ein vom Staatsfernsehen RAI am Donnerstagabend gesendetes Video sorgt im italienischen Fußball für Aufsehen. Auf dem im Mai 1999 gefilmten Vier-Minuten-Video ist der italienische Teamverteidiger Fabio Cannavaro (damals Parma) zu sehen, dem nunmehrigen Juventus-Kicker wird darauf im Moskauer Hotel Marriott vom Teamarzt eine Veneninfusion mit dem herzstimulierenden Kreatinmittel Neoton verabreicht. Das Mittel, das mittlerweile nicht mehr im Handel ist, stand und steht allerdings nicht auf der Liste der verbotenen Dopingmittel.

Der damals 25-Jährige, der mittlerweile bei Juventus Turin unter Vertrag ist, hatte die Infusion vor dem UEFA-Cup-Finale der Italiener gegen Olympique Marseille (3:0) erhalten. Cannavaro selbst hat das Prozedere auf Band fest gehalten. Ein RAI-Mitarbeiter soll nun das Video auf ungeklärte Weise anonym erhalten haben.

Trotz einer Klagedrohung von Cannavaro entschloss sich RAI, das Video zu senden. Der Abwehrspieler betonte, die Aufnahme sei ihm entwendet worden. Er könne sich nicht erklären, wie das Band zur öffentlich-rechtlichen TV-Anstalt gelangt sei. Cannavaros Rechtsanwalt Paolo Trofino trat als Gast der TV-Show auf und verteidigte seinen Mandanten: "Neoton ist kein verbotenes Mittel, es hilft beim Entspannen der Muskeln."

Mehrere Serie-A-Kicker zeigten sich mit dem Starverteidiger solidarisch. "Man kann nicht so tun, als wären legale Medikamente Dopingsubstanzen. Es entsteht jetzt das falsche Bild, dass sich Spieler vor jedem Spiel mit Doping vollpumpen", meinte etwa Lillian Thram, Cannavaros Teamkollege bei Parma und Juventus.

Cannavaro sei Opfer einer Verleumdungskampagne, warnte der Franzose. "In unsere Welt wird versucht, alles zu beschmutzen und zu zerstören. Ein Spieler, der dem Fußball und Italien so viel gegeben hat, verdient mehr Respekt."(APA/Reuters)

  • Diese Bilder wurden im italienischen Fernsehen ausgetrahlt.
    foto: red

    Diese Bilder wurden im italienischen Fernsehen ausgetrahlt.

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