Bettelnde Kinder in Wien: Bulgarien setzt Maßnahmen

2. Mai 2005, 21:47
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Die Jüngsten sind acht Jahre alt - Kriminelle Organisationen zwingen strafunmündige Kinder zu Straftaten

Wien - Angesichts des starken Anstiegs der Zahl bulgarischer Kinder, die von kriminellen Organisationen in Wien zu Straftaten gezwungen werden, will Bulgarien Maßnahmen setzen. Bulgarische Polizisten arbeiten mit Beamten aus Wien zusammen, um die Rückführung der Kinder nach Bulgarien zu organisieren.

Projekt mit rumänischen Kindern hat funktioniert

Rund 230 Kinder von acht bis 14 Jahren aus Bulgarien sind heuer in Wien aufgegriffen worden. Zum Vergleich: 2003 wurden 260 Kinder fast ausschließlich aus Rumänien aufgegriffen. Nachdem mit Unterstützung der Wiener Magistratsabteilung 11 in Rumänien zehn Krisenzentren als Auffangstationen für zurückgekehrte Kinder eingerichtet wurden, ist die Zahl der Opfer fast auf Null zurückgegangen.

Kinder werden "gepachtet"

"In Bulgarien ist die Sache schwieriger. Viele Kinder, die aus Roma-Familien kommen, sind nicht registriert", erklärte Gerald Tatzgern vom BK. Diese Kinder werden von Menschenhändler-Netzwerk für einige Monate buchstäblich gepachtet. Mit dem Geld, das die Familie für ein Kind bekommt, kann die Familie ein Jahr lang ihren Lebensunterhalt bestreiten.

Straftaten unter Bedrohung

In Wien werden die Kinder unter Androhung von Essensentzug sowie körperlicher oder sexueller Gewalt zum Betteln oder Stehen gezwungen, wobei sie täglich Beute im Wert von 200 bis 400 Euro machen müssen, wie Tatzgern berichtete. Wenn es beim Betteln zu wenig zusammenkommt, müssen die Kinder ihren Tagesauftrag erstehlen. "Ein Bub ist in der Mariahilfer Straße mit einem Faxgerät erwischt worden, an dem sogar noch der Stecker dran war", berichtete der BK-Beamte. "Offenbar war er extrem verzweifelt, sonst hätte er nicht so ein Riesending mitgenommen."

Angst vor Organisationen

Werden die Kinder ertappt, geschieht ihnen nichts, da sie strafunmündig sind. Im Gegenteil, in Kriseninterventionszentren bekommen sie warmes Essen. Aus Angst vor Konsequenzen für ihre Familien durch die Organisation flüchten die Kinder jedoch häufig wieder- "Es gibt Kinder, die acht Mal am Tag erwischt werden", erklärte Tatzgern. "Das Problem besteht darin, sie davon zu überzeugen, dass sie keine Angst vor der Polizei, sondern vor den Kinderhändlern haben müsen".

Netzwerke sind gut organisiert

Den Händlerorganisationen auf die Spur zu kommen ist für die Polizei sehr schwierig. "Da gibt es nicht einen einzigen Kopf. Es sind Netzwerke, deren Mitglieder häufig ausgetauscht werden", erläuterte Tatzgern.(APA)

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