Sterbehilfe bleibt verboten

2. Mai 2005, 10:49
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Mit großer Mehrheit lehnte der Europarat eine Liberalisierung der Sterbehilfe in seinen Mitgliedstaaten ab

Mit großer Mehrheit lehnte der Europarat eine Liberalisierung der Sterbehilfe in seinen Mitgliedstaaten ab, obwohl ein Bericht eindringlich die Probleme der rechtlichen Grauzonen bei der Euthanasie erläuterte.

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Straßburg/Wien - Bis auf Weiteres blockiert scheint die Entkriminalisierung der Sterbehilfe in Europa: Nach sechs Jahren Arbeit und einer kontroversen Diskussion hat der Europarat in Straßburg am Mittwochabend einen entsprechenden Resolutionsentwurf des Schweizer Liberalen Dick Marty zurückgewiesen.

Zuvor hatten sich die Parlamentarier aus den 46 Europaratsländern gegen eine Legalisierung der Sterbehilfe ausgesprochen und vor den Gefahren des Missbrauchs gewarnt. Sie strichen außerdem Hinweise auf die derzeit in vielen Ländern in einer "juristischen Grauzone" und heimlich praktizierte Sterbehilfe aus dem Text. Schließlich wurde Martys "Euthanasiebericht" nach dreistündiger hitziger Debatte mit überwältigender Mehrheit (138:26, fünf Stimmenthaltungen) abgelehnt.

Damit habe sich der Europarat neuerlich in einer "schweren Entscheidung" um eine klare Position gedrückt, kritisierte der ungarische Liberale Matyas Eörsi im Namen des Rechtsausschusses. Auch Marty zeigte sich enttäuscht. Er habe drei Jahre lang in den Ausschüssen um einen Kompromiss gerungen; sein Ziel sei es vor allem gewesen, auf ein Problem hinzuweisen, mit dem immer mehr Länder konfrontiert seien - dass Sterbehilfe heimlich und ohne legalen Rahmen ausgeübt werde.

Der österreichische Delegationsleiter im Europarat, Michael Spindelegger (ÖVP), zeigte sich dagegen zufrieden mit dem Ergebnis und erklärte in einer Aussendung: "Die nötigen Maßnahmen, um ein bewusstes Gegenmodell zur aktiven Sterbehilfe zu schaffen, sind Betreuung, Begleitung, Ausbildung und Palliativmedizin." "Die Überschreitung der Grenze zur aktiven Tötung" halte er für den "falschen Weg". (dpa, AFP, DER STANDARD Printausgabe 30.4.2005)

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