Tirol: Angst vor Entführern geht um

2. Mai 2005, 17:19
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Kinder berichten von mysteriösen Begegnungen in Innsbruck - Versuche zwei zehnjährige Mädchen und einen Volksschüler ins Auto zu locken

Innsbruck - In Innsbruck geht die Angst vor Kidnappern um. Wenige Tage nach zwei offenbar versuchten Kindesentführungen kam es Donnerstagmittag neuerlich zu einem mysteriösen Vorfall. Ein Unbekannter versuchte im Stadtteil Saggen einen siebenjährigen Buben in sein Auto zu locken. Der Schüler flüchtete zur Oma.

Mann sprach Schüler nahe Volksschule an

Der Mann sprach den Schüler nahe der Volksschule Siebererstraße an. Er versprach dem Buben Zuckerln, wenn er in seinen Wagen einsteigt. Gewalt wendete er keine an.

Die Polizei hielt zunächst für "durchaus möglich, dass es sich um einen harmlosen Vorfall gehandelt hat", erklärte Chef-Ermittler Walter Pupp. Er schloss nicht aus, dass der Mann - etwa 40 Jahre alt, Tiroler - eventuell ein Angehöriger eines Mitschülers ist.

Der bis dahin letzte Vorfall hatte sich am Donnerstag der Vorwoche im Stadtteil Hötting-West in der Nähe einer Hauptschule abgespielt: Ein etwa 20 bis 30 Jahre alter Mann fragte damals um 7.40 Uhr eine zehneinhalbjährige Schülerin nach der Uhrzeit. Kurz darauf hielt er ihr einen Plastiksack vor Mund und Nase. Das Kind konnte sich losreißen. Dieser Täter soll asiatischer Herkunft sein.

Kind in Zierl gelang Flucht

Bereits am Montag davor wollte ein Autolenker in Zirl um 7.05 Uhr eine ebenfalls Zehneinhalbjährige auf dem Weg in die Schule in sein Fahrzeug zerren. Er packte das Mädchen an der Schulter und sagte in Tirolerischer Mundart: "So, du kimmscht jetzt mit!" Auch diesem Kind gelang die Flucht. Der 20 bis 25 Jahre alte unbekannte Mann wurde als Einheimischer beschrieben.

In Innsbruck wurden danach die Polizeistreifen im Umkreis aller Schulen und Schulwege verstärkt. Im Jänner 2003 gab es in Innsbruck eine Aufsehen erregende Entführung: Damals zerrte ein aus Syrien kommender und in Bayern lebender Biochemiestudent eine siebenjährige Schülerin in den Kofferraum seines Autos. Er wollte für die Freilassung des Kindes 2,5 Mio. Euro verlangen, das Mädchen kam jedoch noch während der Fahrt frei. Der Entführer wurde zu 15 Jahren Haft verurteilt. (APA, red, DER STANDARD - Printausgabe, 30. April/1. Mai 2005)

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