"Du musst dich durch die Männerwelt durchkämpfen"

29. April 2005, 19:04
22 Postings

Der Bubentraum vom Hubschrauberpiloten wird auch von Mädchen geträumt: 2000 Mädchen schnupperten am Wiener Töchtertag in klassische Männerdomänen

Wien - Sanitäterin zu werden kann sich Ida gut vorstellen: "Weil man da helfen kann." Die Zwölfjährige und ihre Freundin Katharina (14) stehen am Donnerstag mit rund 20 anderen Mädchen auf dem Dach der Zentrale der Wiener Berufsrettung im 3. Bezirk. Der Rettungshubschrauber ist soeben gelandet und die Mädels klettern begeistert ins Cockpit und lassen sich alles genau erklären. Tja, sinniert Ida, Hubschrauberpilotin wäre schon auch was.

Ein "Männerberuf" ist für die Freundinnen denkbar. Auch wenn die Burschen immer blöd mit ihrer Kraft protzen. "Die sagen, dass es so wenige Frauen beim Militär gibt, weil wir das körperlich nicht schaffen", zieht Ida ein Schnoferl. "Dafür haben's Mädchen mehr im Köpfchen", assistiert Katharina selbstbewusst. Und das stört die Burschen nicht? "Die kriegen das ja gar nicht mit", grinst die 14-Jährige.

"Nie derbe Schmähs"

Über 60 Mädchen zwischen elf und 16 Jahren haben den 4. Wiener Töchtertag bei der Rettung verbracht. Nur drei Frauen gibt es dort unter den 385 Sanitätern. Eine davon ist Mirella Vukovits. "Ich bin superglücklich hier", lacht die 22-Jährige. Mit den Kollegen komme sie gut aus, betont die junge Frau mit den violett gesträhnten Haaren: "Die reißen sich echt zusammen und machen nie derbe Schmähs, wenn wir da sind."

In der "Traumastraße" im Keller beweist unterdessen Natalie (14) Nerven. Unter dem Getuschel ihrer Freundinnen ist sie in den Überschlagsimulator gestiegen, an dem die Rettungsleute die Bergung von Unfallopfern trainieren. "Sitzt der Sicherheitsgurt straff?", fragt der Rettungsmann, bevor er auf den Knopf drückt. Der schwarze VW-Passat dreht sich langsam aufs Dach. "So, jetzt die Füße aufs Armaturenbrett und den Körper durchdrücken", heißt es. Ganz schafft es Natalie nicht, man hört den Pumperer, mit dem sie unsanft landet. "Puh, meine Beine haben ganz schön gezittert und schwindelig war mit auch", gibt die Schülerin nachher zu. Trotzdem, es war "ursuper".

Die alten Rollenbilder bei der Berufswahl zu durchbrechen und Mädchen klassische Männerberufe näher zu bringen ist das Ziel. In Wien war es heuer bereits der vierte Töchtertag. 2000 Mädchen im Alter von elf bis 16 kamen, um sich in den 110 teilnehmenden Betrieben umzuschauen, ob es nicht doch Alternativen zu den Klassikerinnen Frisörin und Verkäuferin gibt.

Kripo-Träume

So wie die 13-jährige Ilknur, die mit blauen Arbeitshandschuhen in der Kupferfertigung bei Siemens steht und lernt, wie man am Computer die Stanzvorlage programmiert. Ivica, Facharbeiter und ihr Siemens-"Pate" für die Dauer des Töchtertages, lobt das Mädchen überschwänglich: "Sie ist wirklich toll, fragt viel, versteht alles sofort." Ilknur lächelt verlegen. Es gefalle ihr schon gut, sagt sie sanft. Aber? Aber ihr Berufswunsch steht schon fest: "Ich möchte Kriminalpolizistin werden." Ivica ist begeistert. "Du musst darum kämpfen, Ilknur", sagt er, "du musst dich durch diese Männerwelt durchkämpfen." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.4. 2005)

Bettina Fernsebner-Kokert
  • Der Bubentraum vom Hubschrauberpiloten wird auch von Mädchen geträumt - dennoch entscheiden sich nur wenige für technische Berufe.
    foto: standard/hendrich
    Der Bubentraum vom Hubschrauberpiloten wird auch von Mädchen geträumt - dennoch entscheiden sich nur wenige für technische Berufe.
Share if you care.