Maibaum lockt Diebe und Geister

1. Mai 2005, 20:22
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Tradition kam nach dem Zweiten Weltkrieg fast zum Erliegen

Wien – Es muss ja nicht gleich so spektakulär sein wie im vergangenen Jahr auf Deutschlands höchstem Berg, der Zugspitze, wo der Maibaum per Hubschrauber „entführt“ wurde.

Aufpassen heißt die Devise derzeit aber an allen Orten, wo rivalisierende Gruppen junger Männer Maibäume vor dem Aufstellen zu stehlen trachten.

Männerbünde

Volkskundler betrachten diesen Brauch als eine Art männerbündlerischen Initiationsritus. Auf der Zugspitze war eine Rentnerbande zugange – die Herren charterten einen Hubschrauber und rückten den 800 Kilo schweren Baum erst gegen 100 Krügel und 150 Jausen wieder heraus.

Der erste Beleg für eine Art Maibaum stammt aus dem Jahr 1466 aus Tirol. Im 17. Jahrhundert kam der Brauch aufgrund verschärfter Forstbestimmungen zum Erliegen, erlebte im 19. Jahrhundert einen Aufschwung, wurde nach dem Ende des Ersten Weltkriegs zur Modeerscheinung und schließlich von den Nationalsozialisten zu Propagandazwecken missbraucht. In Tirol kam der Brauch deswegen nach dem Zweiten Weltkrieg fast zum Erliegen.

Das „kirchenweb“ erläutert die alte Magie des Maibaums: In der Krone wohnen demnach die guten Geister und höchsten Götter. Der Kranz versinnbildlicht das weibliche Element. Mit Bändern daran wird der Segen des Gedeihens verbunden. Der Stamm symbolisiert Kraft und Gesundheit. Die Rinde muss entfernt werden, damit sich Hexen und Geister in Gestalt von Käfern nicht darin verstecken können. (APA, DER STANDARD Printausgabe, 29.04.2005)

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