Mediaprint fürchtet ihre "Vernichtung"

17. Mai 2005, 20:52
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"Hilflos": Krone/Kurier- Konzern bemüht Kartellrichter gegen Tiroler Verlagsgruppe - Mediaprint-Justitiar sieht "klaren Missbrauch marktbeherrschender Stellung" - Mit Grafik

Österreichs größter Verlagskonzern Mediaprint mit dem Reichweitenriesen Krone und dem Kurier fühlt sich bedroht. Der Anlass: Die Innsbrucker Moser Holding startete 2004 das Kleinformat Die Neue als Beiboot zur Tiroler Tageszeitung. Eine "unter Umständen existenzbedrohende Beeinträchtigung" in Tirol, klagte die Mediaprint beim Kartellgericht.

Der Zeitungsriese bemühte das Oberlandesgericht Wien mit einem Antrag "auf Untersagung des Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung" sowie auf einstweilige Verfügung. Das Kartellgericht möge der Moser Holding per Verfügung vorschreiben, dass sie für die Neue mindestens 75 Prozent des Krone-Verkaufspreises kassiert. Zumindest ebenso störte die Mediaprint die Inseratenkombi: Anzeigen in der Neuen konnten nur in Kombination mit der Tiroler Tageszeitung geschaltet werden. Für die Neue, forderte die Mediaprint, müsste die Moser Holding mindestens 75 Prozent des Tarifs in der Tiroler Tageszeitung extra verlangen.

Zur Mediaprint schlossen sich Ende der Achtzigerjahre die zwei damals größten Zeitungen Krone und Kurier zusammen. Kartellrechtlich bedenklich, doch damals gab es noch kein passendes Kartellrecht. Ebenso kartellrechtlich bedenklich konnte der Kurier seine Magazine 2001 in die News-Gruppe einbringen und sich am Magazinmonopolisten beteiligen.

In Tirol hat sich die Krone 33 Prozent Reichweite erkämpft. Auch mit Kampfpreisen für Abos, gegen die die Moser Holding Ende der Neunzigerjahre Kartellgerichte bemüht hat. Die Mediaprint lenkte ein, ehe ihr Richter womöglich den Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung attestieren konnten.

Bis auf einen Punkt wies das Kartellgericht die Verfügung der Mediaprint ab. Aber: Die Moser Holding muss künftig für die Neue Anzeigen auch ohne Buchung in der Tiroler Tageszeitung zulassen. Kombitarif darf sie aber weiter anbieten. "Verdrängungsabsicht" mochte das Gericht nicht erkennen, ein neues Blatt bringe doch Impulse für den Wettbewerb.

Beide Verlage beriefen. Die Mediaprint begründet das mit der Moser'schen "Vernichtungsstrategie". Dem Wiener Konzern drohe, "jedem noch so aggressiven Preiskampf des Marktbeherrschers Tiroler Tageszeitung hilflos ausgeliefert" zu sein: "Das kann doch nicht rechtens sein!" (Harald Fidler/DER STANDARD, Printausgabe, 29.4.2005)

Mediaprint weist westwärts

Für Mediaprint-Justitiar Ernst Swoboda ist das Verhalten der Moser Holding "sonnenklar ein Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung" in Tirol. Das Verfahren diene "vielleicht der Bewusstseinsbildung": "Je weiter westlich, desto schlimmer" sei dieses Phänomen. Die viel gescholtene Mediaprint hingegen "verhält sich ordentlich im Markt", findet Swoboda. Zum Vergleich mit der Moser Holding, als die die Mediaprint klagte, meint er, sein Verlag wäre "in dem Verfahren nie verurteilt worden". Das sah man in Innsbruck und in der Kanzlei von Kartellanwalt Norbert Gugerbauer, der die Moser Holding in diesen Verfahren vertritt, bisher stets anders. (fid)

  • Medienmonopoly: Wien gegen Tirol
    grafik: standard

    Medienmonopoly: Wien gegen Tirol

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