Höhere Dividende, weniger Jobs

9. Mai 2005, 13:28
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AK-Studie: Schere zwischen Dividenden und Zahl der Arbeitsplätze geht immer weiter auseinander - Heimische Beschäftigte profitieren kaum von Akquisitionen

Wien - Nachdem in den letzten Monaten die ersten großen Aktiengesellschaften ihre Unternehmenszahlen für 2004 präsentiert haben, scheinen die Aktionäre heuer unterm Strich eindeutig zu den Gewinnern zu zählen. "Weniger gut schauen hingegen die Mitarbeiterbilanzen aus", fasst jedenfalls Betriebswirtin Eva Schiessl das Ergebnis einer aktuellen Untersuchung der Arbeiterkammer (AK) Wien zusammen. Die Schere zwischen den aktuellen Dividendenbeschlüssen in zehn ATX-Unternehmen und der Zahl der Arbeitsplätze in diesen Konzernen gehe immer weiter auseinander, attestiert sie. Bei etlichen Unternehmen "falle ein Rückgang der Personalaufwendungen bzw. der Mitarbeiterzahlen ins Auge". Dafür verantwortlich: Rationalisierungen und Flexibilisierungen.

Kommt es hingegen doch zu Personalzuwächsen im Gesamtkonzern, resultieren diese vornehmlich aus Akquisitionen im Ausland. Die heimischen Beschäftigten würden davon kaum profitieren, so die AK-Meinung.

Reduzierung im Inland

Als Beispiel dafür führt die Betriebswirtin etwa die Andritz-Gruppe an, die etwa Birdmachine und die Netzsch Filtrationstechnik erworben habe, während in anderen Geschäftsbereichen die Mitarbeiterzahl (laut Geschäftsbericht) reduziert wurde. Dem stehe eine Dividendensteigerung von plus 41 Prozent (von 2003 auf 2004) gegenüber, heißt es in der Auflistung.

Und auch bei Böhler-Uddeholm, wo mit dem Zukauf der brasilianischen Villares Metals über 1518 neue Arbeitnehmer übernommen wurden und unterm Strich ein generelles Mitarbeiterplus von 15 Prozent stand, sei der Beschäftigtenstand in Österreich verringert worden, kritisiert die Arbeiterkammer.

Beim Wasseraufbereiter BWT gehe der Jobanstieg von sechs Prozent wiederum vor allem auf Akquisitionen in China und Taiwan zurück.

Von den 21 ATX Prime Market-Unternehmen haben bisher fünfzehn ihre (vorläufigen) Jahresabschlüsse veröffentlicht. In der AK-Auflistung an erster Stelle steht dabei jeweils die Telekom, der auf der einen Seite "ein Dividendenplus von 86 Prozent und auf der anderen Seite ein siebenprozentiges Minus beim Mitarbeiterstand zugerechnet wird". (Monika Bachhofer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.4.2005)

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