Bregenz-Präsident Grill verurteilt

3. Mai 2005, 13:23
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Zwölf Monate bedingte Haft wegen schweren Sozialbetrugs - Urteil noch nicht rechtskräftig

Feldkirch - Hans Grill, Präsident des österreichischen Fußball-Bundesligisten SW Bregenz, wurde am Donnerstag am Landesgericht Feldkirch wegen schweren Sozialbetrugs zu zwölf Monaten bedingter Haft verurteilt. Ex-Präsident Josef Fitz wurde mit fünf Monaten bedingter Haft bestraft, der frühere Vereinsmanager Markus Feldkircher mit vier Monaten. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

Die Funktionäre wurden bereits im Dezember wegen Schwarzgeld-Zahlungen an Spieler und damit wegen Steuerhinterziehung verurteilt. Da mit den unversteuerten Geldern neben dem Finanzamt auch an der Gebietskrankenkasse Geld vorbeigeschleust wurde, musste sich das Trio auch wegen schweren Sozialbetrugs verantworten. Hans Grill soll die Krankenkasse um 100.000 Euro geprellt haben, Josef Fitz um 60.000 Euro. Markus Feldkircher schließlich musste für 40.000 Euro gerade stehen. Der Schaden ist mittlerweile zum Teil wieder gut gemacht. Mit der Vorarlberger Gebietskrankenkasse wurden Ratenzahlungen vereinbart.

Alle drei Angeklagten nahmen angesichts der hohen Strafe Bedenkzeit. "Wir verstehen das Urteil noch nicht ganz und werden genau überlegen", erklärte Grill-Anwalt Stephan Wirth. Dass Grill nach eigenen Angaben insgesamt mehr als 40 Millionen Schilling in den Verein gesteckt und sich bei den Schwarzgeldzahlungen nicht persönlich bereichert hat, wurde vom Gericht zwar mildernd gewertet, fiel beim Strafmaß aber offenbar nicht ins Gewicht. "Wenn ich meine Millionen nicht investiert hätte, hätte der Staat überhaupt keine Steuern und Abgaben bekommen", schimpfte der Vereinspräsident bei seiner Vernehmung. In einem vergleichbaren Fall war der ehemalige Eishockey-Präsident Günther W. Amann (VEU Feldkirch) am 8. März zu vier Monaten bedingter Haft verurteilt worden.

Besonders bitter für die Angeklagten: Nachdem man sich mit der Gebietskrankenkasse auf Wiedergutmachung geeinigt hatte, hofften alle Beteiligten eigentlich auf das neue Sozialbetrugsgesetz, das seit kurzem in Kraft ist. Für tätige Reue hatte der Gesetzesentwurf nämlich Straffreiheit vorgesehen - erst in letzter Sekunde scheiterte die Neuregelung im Nationalrat. (APA)

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