Boku-Forscher liefern weiteren Mosaikstein Richtung HIV-Impfstoff

4. Mai 2005, 14:52
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Tarnungs-Trick des HI-Virus geklärt - Massenhafte Produktion von Antikörpern möglich

Wien - Einen weiteren Trick, wie sich das HI-Virus gegen Attacken des menschlichen Immunsystems schützt, haben Wissenschafter des Instituts für Angewandte Mikrobiologie (IAM) der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien gemeinsam mit amerikanischen Kollegen aufgedeckt. Die Untersuchungen wurden in der neuen Ausgabe der renommierten Wissenschaftszeitschrift "Science" veröffentlicht. Die Forscher um Hermann Katinger untersuchten eine bestimmte Stelle auf der Virus-Hülle, an die bekannte Antikörper binden können und fanden Ähnlichkeiten mit Oberflächen von Körperzellen.

"Weltweit sind bis jetzt vier Antikörper bekannt, welche die verschiedenen Typen des HI-Virus angreifen", erklärte dazu Gabriela Stiegler vom IAM gegenüber der APA. Drei wurden an der Boku entdeckt, zwei davon - genannt 2F5 und 4E10 - waren nun Gegenstand der aktuellen Untersuchung. Docken die Antikörper an das Virus an, so kann der Erreger nicht mehr in Zellen eindringen und diese zur Produktion von weiterem Viren-Material zwingen.

Massenhafte Produktion von Antikörpern möglich

Allerdings sind die Antikörper gegen das HI-Virus im menschlichen Körper sehr selten zu finden, am ehesten noch in Aids-Patienten, deren Körper relativ gut mit der Infektion umgehen kann und die eine vergleichsweise hohe Lebenserwartung haben. Mit Hilfe der schon vor geraumer Zeit gefundenen Antikörper, die jetzt in Zellkulturen massenhaft produziert werden können, versuchen Labors weltweit Impfstoffe zu kreieren, bisher vergeblich.

Die Tricks, mit denen sich das HI-Virus der Immunabwehr zu entziehen versucht, sind vielfältig. Einer davon ist, sich zu tarnen. So ist die Struktur auf der Virus-Oberfläche, an welche die Antikörper andocken, einer Struktur auf normalen menschlichen Körperzellen sehr ähnlich. "Der Körper tut sich schwer, etwas zu bekämpfen, das den eigenen Zellen sehr ähnlich ist", so Stiegler. Tatsächlich binden die Antikörper, wie die Forscher herausfanden, auch an die Körperzellen.

Allerdings ist diese Bindung weniger fest als an der Virusoberfläche, das gibt Hoffnung. Auch hat sich gezeigt, dass diese Bindung praktisch keine Nebenwirkungen für den Patienten hat. Die Antikörper können daher eingesetzt werden, um Aids-Patienten zu helfen. Die Ergebnisse sind aber auch ein weiterer Schritt in Richtung Impfstoff. (APA)

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    Mit den Ergebnissen der Forscher vom Institut für Angewandte Mikrobiologie ist man einem Impfstoff gegen den Aids-Erreger einen Schritt näher.

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