Blattformen geben über Klima Auskunft

4. Mai 2005, 16:12
posten

Pflanzenwuchs als Indikator für Durchschnittstemperaturen

Tübingen - Wissenschaftler der Universität Tübingen haben entdeckt, dass Blattformen von Pflanzen genaue Auskünfte über Klimabedingungen geben. Sie stellten fest, dass sich auch in Europa die jeweils überwiegend vorkommenden Blattformen entlang von Klimagradienten zuverlässig vorhersagen lassen. Damit haben die Forscher bewiesen, dass es nicht einfach von Launen der Natur abhängt, ob in einem bestimmten Gebiet Pflanzenarten mit überwiegend großen oder kleinen Blättern wachsen und ob sie etwa gezähnte oder ganzrandige Blattränder haben, berichten sie im Fachmagazin New Phytologist.

Die Forscher hatten schon länger vermutet, dass sich Pflanzen über längere Zeiträume funktionell an ihre Umweltbedingungen anpassen, wie im Falle von Blättern. Deutliche Zusammenhänge zwischen den Blattformen und dem Klima konnten Forscher bereits auf einigen Kontinenten nachweisen. Christopher Traiser, Stefan Klotz, Dieter Uhl und Volker Mosbrugger vom Institut für Geowissenschaften der Universität Tübingen haben nun aber untersucht, wie Blattformen und Klimabedingungen in Europa zusammenhängen. Dazu haben sie ein geografisches Raster über den Kontinent gelegt und die räumliche Verteilung verschiedener Blattformen mit Hilfe von künstlich erstellten, auf europäische Verhältnisse abgestimmten Floren ermittelt. Im Zentrum des Interesses standen dabei rund 110 verschiedene holzige Pflanzen, da diese mehrere Jahrzehnte alt werden und die langfristigen Klimabedingungen besser widerspiegeln.

Mittelgroße Blätter dominieren in Europa

Traiser und seine Kollegen haben festgestellt, dass Blätter mittlerer Größe die europäische Vegetation mit rund 60 bis 80 Prozent der Blätter insgesamt dominieren. Kleine Blätter kommen am häufigsten im Mittelmeerraum und mit einem zweiten Maximum im Norden vor. Große Blätter gibt es am häufigsten im Osten des Kontinents, den geringsten Anteil machen sie im Mittelmeerraum aus. Die Wissenschaftler fanden auch heraus, dass allgemein die Temperaturminima in einem Gebiet deutlich stärkeren Einfluss auf die Blattformen haben als die Temperaturmaxima. Global gesehen sind große Blätter vor allem bei hohen durchschnittlichen Jahrestemperaturen und Niederschlägen, also unter tropischen Bedingungen, zu finden. Weiterhin nimmt die Blattgröße von den Subtropen über die gemäßigten Breiten bis hin zu den Polen kontinuierlich ab.

Die Ergebnisse für Europa passen damit gut in dieses Muster. Je höher die Temperatur ist, desto höher ist auch der Anteil an Blättern mit glattem, ungezähntem Rand. Dass sich solche Zusammenhänge - je nach Kontinent mehr oder weniger deutlich - global feststellen lassen, bestärkt die Forscher in der Annahme, dass das Klima eine entscheidende Rolle bei der Ausbildung bestimmter Blattformen spielt. (pte)

Share if you care.