Impfung gegen das Rauchen in greifbarer Nähe

4. Mai 2005, 14:52
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Sozialmediziner Kunze: Soll vor allem als Rückfall-Prophylaxe eingesetzt werden - Im Tierversuch bereits erfolgreich

Wien - Eine Immuntherapie gegen die Sucht des Rauchens, womöglich sogar in Form einer Impfung, ist "am Horizont sichtbar". Das sagte der Vorstand des Instituts für Sozialmedizin der Universität Wien, Univ.-Prof Dr. Michael Kunze im Rahmen einer Enquete zum Thema "Rauchfreie Zukunft" am Donnerstag im Gesundheitsministerium in Wien.

Kunze arbeitet am Karolinska Institutet in Stockholm, Schwedens Vorzeige-Universität auf dem Gebiet der Medizin, mit anderen Experten in Phase eins der Entwicklung eines Anti-Köpers gegen Nikotin: "Im Tierversuch, wir verwenden dazu Mäuse, funktioniert es", sagte der Sozialmediziner. Zuerst würden die Mäuse nach Injektion der Nikotinspritze "wie meschugge" herumrennen. Bekommen sie aber den Anti-Körper, tritt eine Beruhigung ein.

Phase zwei: Erste Tests am Menschen

Phase zwei werde demnächst in Angriff genommen, dann soll es erste Tests am Menschen geben. Die Nikotin-Immuntherapie könnte laut Kunze vor allem in der "Rückfall-Prophylaxe" für frühere Raucher eingesetzt werden. Wenn diese den Antikörper in sich tragen, gelangt das Nikotin beim neuerlichen Griff zur Zigarette nicht ins Gehirn, der Sinn des Rauchens ginge völlig verloren. Die Fortsetzung der Forschung hänge aber, so Kunze, viel vom Einstieg eines "Big Pharma", eines großen Pharma-Konzerns ab. "Darauf warten wir." Bis die "Impfung gegen das Rauchen" aber Realität werde, würden noch Jahre vergehen, bremste Kunze die Erwartungen.

Snus: Gesündere Alternative zum Rauch

Alternativen zum Rauchen gibt es schon jetzt - und auch wieder vor allem in Schweden. Dort stecken sich die Nikotinsüchtigen Snus, einen speziell fermentierten Tabak in Form eines kleinen Teesäckchens, in die Wange. Das Nikotin wird dabei ganz ohne Qualm durch die Mundschleimhaut aufgenommen. Kunze: "Denn erst wenn ich etwas verbrenne, setze ich die Scheußlichkeiten frei, die krebserregend sind."

Die Enquete im Gesundheitsministerium wurde anlässlich der Initiative "Rauchfreie Zukunft - Tabakprävention für Kinder" abgehalten. "Rauchen gilt leider nach wie vor als cool", sagte die Moderatorin der Veranstaltung, die ORF-Journalistin Barbara van Melle. Die Zahlen sprechen für sich: Bereits 20 Prozent der 15-jährigen Burschen und 26 Prozent der 15-jährigen Mädchen in Österreich gaben bei einer Umfrage an, dass sie regelmäßig rauchen, sagte Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat. 1990 sei die Quote noch bei 15 bzw. zwölf Prozent gelegen. Das Einstiegsalter zum Rauchen in Österreich betrage 13,6 Jahre, das bedeute Platz zwei in Europa.

Um dem entgegenzuwirken, hat das Ministerium für heuer die Tabakprävention für Kinder als Schwerpunkt. Die erste Aktion ist schon beendet: In Zusammenarbeit mit dem ORF wurde zwischen 7. März und 15. April eine Nichtraucherkampagne von Kindern für Kinder durchgeführt. Insgesamt sendete der ORF dazu mehr als 600 Spots in TV und Radio, in denen Schüler erklären, wie "uncool" oder "blöd" das Rauchen ist. "Ob einer später zum Raucher wird, oder nicht, entscheidet sich nämlich fallweise schon in der Volksschule", sagte ORF-Generalintendantin Monika Lindner zur Intention der Kampagne, die von weiteren Aktionen wie der Rubrik "Ausgedämpft" auf FM4 begleitet wird. (APA)

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