Die Zeit bis 54 wird wunderbar

5. Mai 2005, 17:59
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Mai, ich komme! Vögel werden nicht umsonst zwitschern, Kastanienblüten werden nicht vergeblich ploppen - was bin ich guter Laune, seit mir E. prophezeit hat, dass ich mit 54 erstmals vor den Traualtar treten werde! Welche Aussichten! 54 ist das beste Alter zum Heiraten. Der Liebste bringt große Aktienpakete mit, ich großartige Allüren, die Kinder sind aus dem Haus, und im Gegensatz zu Charles und Camilla umwölken keine verbitternden Ex-Ehen das Ritual. Die beiden sind ja eh arm. Früher verbotene Liebe, Romeo, Julia & Lady Chatterley etc. Und jetzt? Da das Verbot nicht mehr das Begehren schürt, infolgedessen das Begehren nicht mehr die Realität ausblendet, wird er kurz über lang ihre Zähne entdecken. Und sie seine Ohren. Wäre ich Paartherapeut, würde ich schleunigst nach England ziehen.

Doch ich bin ja lieber hier und glücklich. Die liebe E. ist eine jener seltenen Menschen, die jede Dame, egal wie gebeugt sie gerade ist, innerhalb von 55 Sekunden wieder aufrichtet. Was Viagra für Männer, ist E. für Frauen. Da fällt mir ein, warum sponsert eigentlich nicht Pfizer die Reparatur des Stephansdoms? Sobald er wieder felsenfest steht, kommt eine blaue Raute auf den Turm - eleganter kann man nicht werben.

Ich selbst wollte ja fast schon mein Liebeswerben um Herrn Direktor K. von der R-Bank einstellen, nicht, weil meine Gefühle nicht erwidert werden, sondern weil in der Zeitung stand, dass Direktor T. von der E-Bank zwei Millionen Extra-Prämie bekommen hat. Diese Bankdirektoren-Kurs-Schwankungen machen einem ganz weiche Knie. Nicht auszudenken, ich hätte den falschen umgarnt! Doch ein weiterer Vorteil einer Heirat mit 54 ist natürlich, dass ich jetzt noch viele sonnige Jährchen einen Falschen nach dem anderen anblinkern kann.

Ohne Ansprüche an Bonität oder Charakter wird im maigrünen Volksgarten herumgeturtelt, während man die Monogramme in die 55 Aussteuer-Schlüpfer stickt, Z wie Zufall natürlich. So vergehen die Jahre, dazwischen besucht man E. und abends um 19.45 Uhr schaut man Spongebob. Sollten Sie auch tun. Spongebob ist ein scheinschwuler Schwamm und immer extrem gut gelaunt. In jeder Folge verliert er mehrmals seine rechteckige Hose und offenbart seine rechteckige Unterhose. Die letzte Folge war hochdramatisch. Die Tochter von Mr. Crabbs hat die "Krosse Krabbe" übernommen, Spongebob den Krabbenburger-Wender entwendet, Thaddäus Tentakel in einen geblümten Anzug gezwungen, und statt Krabbenburgern gab es Salat und Tee, weil das angeblich hip ist. In Wirklichkeit war es entsetzlich. Dank der vereinten Bemühungen aller Einwohner Bikini Bottoms wurde jedoch die Ordnung der Welt wieder hergestellt. Spongebob darf den Burger-Wender weiter schwingen. Ach E., die Zeit bis 54 wird wunderbar ...

Ihre Cosima Reif, Zufallskolumnistin (Der Standard/rondo/29/04/2005)

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