Formenbauwerk Fohnsdorf wird geschlossen

9. Mai 2005, 14:02
1 Posting

85 Jobs fallen weg - Verkauf der Aircraft-Sparte "steht nicht zur Diskussion - Kapital­erhöhung soll wie geplant umgesetzt werden

Wien - Der börsenotierte burgenländische Kunststoffhersteller HTP High Tech Plastics sperrt sein Formenbauwerk im steirischen Fohnsdorf zu. Die Verhandlungen über den Verkauf der Produktion nahe Spielberg seien ohne Erfolg abgeschlossen worden, sagte der neue HTP-Chef Kurt Helletzgruber am Donnerstag im Gespräch mit der APA.

Betroffen sind davon 85 der ursprünglich 112 zur Kündigung angemeldeten Mitarbeiter, die restlichen Mitarbeiter werden in einen Werkstätten- und Servicebetrieb übernommen. Den Spritzgussbereich, wo HTP in Fohnsdorf noch rund 180 Mitarbeiter beschäftigt, will das Unternehmen ebenso wie die burgenländische Spezialwerkzeugproduktion mit noch 280 Mitarbeitern unverändert weiterführen. Der Standort Vrable in der Slowakei, wo das Unternehmen der Automobilindustrie zuliefert, soll ausgebaut werden.

Verkauf des Flugzeugtechnik-Bereichs "steht nicht zur Diskussion"

Ein Verkauf des Spritzguss-Unterbereichs Flugzeugtechnik, wie ihn der Industrielle und bisher noch HTP-Miteigentümer Hannes Androsch zuvor angekündigt hatte, steht laut Helletzgruber "nicht zur Diskussion". Androsch will den Aircraft-Bereich mit seinem zweiten Flugzeugzulieferer FACC zusammenführen. HTP-Chef Helletzgruber kann sich aber nur eine Kooperation vorstellen, etwa durch ein Joint-venture, eine Ausgliederung oder eine lose Zusammenarbeit. Details seien aber noch nicht ausgedealt. Und man werde den Deal nur eingehen, "wenn es wirtschaftlich Sinn macht", so Helletzgruber in Reaktion auf "voreilige Ankündigungen" Androschs.

Wie berichtet hatte HTP nach schweren Verlusten im Vorjahr etwa 90 Prozent des Grundkapitals aufgezehrt, eine Rekapitalisierung wird laut Vorstand in den nächsten zwei Monaten abgeschlossen werden. Im Vorjahr hatte die Hauptversammlung eine Kapitalerhöhung über 3 Millionen neue HTP-Aktien beschlossen. Laut Helletzgruber wird diese Kapitalerhöhung wie geplant erfolgen.

Der neue HTP-Chef, der seit Dezember 2004 das Unternehmen leitet, will sich dabei selbst am Unternehmen beteiligen. Schon jetzt hält Helletzgruber (52) die Stimmrechte des mit in Summe 46,2 Prozent bisher größten HTP-Einzelaktionärs, des steirischen Industriellen Ernst Hofmann.

Rund die Hälfte der Hofmann-Anteile will Helletzgruber über seine eigene Privatstiftung namens ASTOR und gemeinsam mit der oberösterreichischen Mittelstandsfinanzierungs ProRegio AG bereits in den nächsten Wochen auch faktisch übernehmen. Über den Rest wird noch verhandelt.

Gespräche mit Androsch und Dörflinger "sehr schwierig"

Auch Androsch und dessen Partner Dörflinger haben am Vortag angekündigt, ihre Anteile an Helletzgruber verkaufen zu wollen. Helletzgruber bestätigte Gespräche. Diese seien allerdings "sehr schwierig" und würden bereits seit drei Monaten laufen. Er sei aber "guter Dinge, dass die Gespräche noch im ersten Halbjahr abgeschlossen werden".

In Summe wollen Astor und Pro Region künftig rund 50 Prozent der HTP halten, der Rest soll möglichst an der Börse notieren. Nach den Aktionärsstreitigkeiten des vergangenen Jahre hofft der neue starke Mann bei HTP, dass das Unternehmen dann auch wieder aus den Schlagzeilen kommt. Er sei jedenfalls zuversichtlich, dass das Unternehmen erfolgreich weitergeführt werden könne, so Helletzgruber. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.