Wendy's kämpft um guten Ruf

9. Mai 2005, 13:40
53 Postings

Nach "Fingerfund" in einem Becher Chili kämpft die drittgrößte Fastfoodkette der USA mit Um­satz­ver­lusten von bis zu 50 Prozent - Kundin wegen Betrugsverdacht in Haft

Washington - Nach dem mysteriösen "Fingerfund" in einem Becher mit heißem Chili kämpft die Fastfood-Kette Wendy's in den USA wieder um ihren guten Ruf. In Folge der landesweiten Berichte über ein Fingerglied, das von einer Kundin am 22. März angeblich im Chili einer Wendy's-Filiale in Kalifornien gefunden worden war, ist der Umsatz alleine in den kalifornischen Filialen um 20 bis 50 Prozent gesunken. Wendy's mit 6.600 Filialen in den USA versucht nun mit einer Image-Kampagne die verlorene Kundschaft wieder zurückbekommen.

Eine Kundin hatte behauptet, beim Essen eines Chilis in einer Wendy's-Filiale in San Jose in einen Fingerteil gebissen zu haben. Der Körperteil wurde sichergestellt, es handelte sich um zwei voneinander getrennte Fingerteile: Ein Fingerglied mit einem lackierten Nagel und ein unterer zerquetschter Teil eines Fingers.

Rätselraten über Herkunft

Über die Herkunft der Fingerteile herrscht seitdem Rätselraten. Nach der Überprüfung der Hände der Angestellten im Wendy's-Lokal wurde ein direkter Küchenunfall ausgeschlossen. Laut Medienberichten wurden der Finger nicht im Chili mitgekocht.

Das Standard-Verfahren zur Zubereitung, nämlich Fleisch, Bohnen und Paradeiser drei bis fünf Stunden lang bei mindestens 170 Grad Fahrenheit(76,7 °C) zu dünsten, hätte die Fingerteile angeblich verformt.

Sogar das FBI wurde eingeschaltet: Der Fingerabdruck der Fingerkuppe ergab bei einem Vergleich mit den 50 Millionen gespeicherter Fingerabdrücke aber keinen Treffer. Auch eine von Wendy's ausgesetzte Belohnung von 100.000 Dollar (77.399 Euro) für Hinweise über den gefundenen Finger hatte bisher keinen Erfolg.

Schadenersatzklage zurückgezogen

Eine Schadenersatzklage der Kundin hat Wendy's jedenfalls nicht mehr zu befürchten. Zunächst hatte die 39-Jährige sich zwar einen Anwalt genommen und eine Klage eingereicht. Dann war bekannt geworden dass die Frau bereits mehrmals versucht hatte von verschiedenen Unternehmen Schadenersatz einzuklagen.

Sie ließ die Klage fallen und wurde am 22. April, ein Monat nach dem angeblichen "Fingerfund" verhaftet. Gegen sie wird wegen Betrugs ermittelt.

Der Schaden war aber schon angerichtet. Die Veröffentlichung des Polizeifotos über die Fingerteile wirkte verheerend auf das Image der drittgrößten Hamburger-Kette in den USA. Auch publikumswirksame TV-Auftritte der Frau unmittelbar nach dem Vorfall, in denen sie etwa im Frühstücksfernsehen des US-Senders ABC, "Good Morning America", beschrieb wie sie auf den Finger gebissen hätte, hinterließen einen schlechten Nachgeschmack.

Schlechte Noten für Krisenmanagement

Experten geben dem Konzern bereits schlechte Noten im Krisenmanagement. Unmittelbar nach Bekanntwerden des Vorfalls habe Wendy's "zu wenig einfühlsam" reagiert, meinte Mike Paul, Präsident von MGP & Associates PR, einer Firma für Krisenmanagement in New York, gegenüber der "New York Times".

Die Fastfood-Kette will nun die Assoziation zum "Fingerfood" möglichst schnell wieder loswerden. In einer Erklärung des Konzernpräsidenten Thomas J. Mueller heißt es, es gäbe keinen Beweis dass das "fremde Objekt" von Wendy's stamme. Kunden sollen nun mit Werbeaktionen, etwa Gratis-Milkshakes und einem neuen Sandwich, zurückgeholt werden. (APA)

Link

Wendy's
  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.