BAWAG zahlt ÖGB 71 Millionen Euro Dividende

20. Mai 2005, 16:46
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15 Millionen Basisdividende, 56 Millionen Euro Einmalbonus - Steuer fraß Gewinnplus weg - Osttöchter sollen bis 2008 Geschäft verdoppeln - Mit Infografik

Wien - Ein Zuwachs des Vorsteuergewinns um fast 17 Prozent auf 170,4 Mio. Euro ist im BAWAG P.S.K.-Konzern 2004 von der Steuer praktisch aufgefressen worden. Nach Abzug der auf 32 Millionen Euro mehr als verdreifachten Steuern blieb der viertgrößten Bank des Landes ein Jahresüberschuss von 138,3 Mio. Euro, der nur mehr um 1,2 Prozent höher war als 2003. Unter dem Strich verblieb ein Netto-Konzernjahresüberschuss von 113,3 Mio. Euro, ein Rückgang um 6,4 Prozent.

Einmalbonus von 56 Millionen Euro

Dennoch gibt es für den BAWAG-Alleinaktionär ÖGB eine Sonderdividende von 71 Mio. Euro. Zur Basisdividende von 15 Mio. Euro kommt ein Einmalbonus von 56 Mio. Euro auf das Stammaktienkapital von 125 Mio. Euro. Im heurigen Jahr will man wieder zur bisher üblichen Dividendenausschüttung zurückkehren, wurde erklärt.

Wie andere Banken (darunter die Raiffeisen Zentralbank) hatte sich auch die BAWAG P.S.K. einer Betriebsprüfung unterziehen müssen, und zwar für die Jahre 1997 bis 2001. Diese Prüfung dauerte zwei Jahre. In der markant erhöhten Steuerposition 2004 ist nun laut Vorstand eine Nachzahlung in zweistelliger Millionenhöhe enthalten. In der Bilanz wird ein aperiodischer Ertragssteueraufwand 28,1 Mio. Euro ausgewiesen, durch den die Steuerlast insgesamt von 9,2 auf 32,1 Mio. Euro anwuchs.

Gewinn operativ gewachsen

Operativ ist der Gewinn der Bank um 4,8 Prozent auf 280 Mio. Euro angewachsen. Die Neudotierungen für Kreditvorsorgen konnten insgesamt leicht zurückgefahren werden. Im Zinsüberschuss gab es konsolidiert ein Plus, das Handelsergebnis hat sich aber fast halbiert.

BAWAG P.S.K.-Konzernchef Johann Zwettler sprach bei der heutigen Bilanzpressekonferenz für 2004 von einer "fundamental guten Ergebnisentwicklung". Sinkende Zinsmargen im Inlands-Bankgeschäft wurden durch Zinserträge in anderen Finanzgeschäften und aus dem Ausland wettgemacht. Veräußerungserlöse (z.B. Mobiltel) bzw. Bewertungsgewinne wirkten sich im Ergebnis ebenfalls aus. Die Beteiligung an der US-Beteiligung Refco wurde im Vorjahr nach einem Schätzgutachten in Euro aufgewertet. Durch den deutlichen Dollarkursverlust kam es laut Geschäftsbericht deshalb zu einem negativen Veräußerungsergebnis, weil der Verkauf in Dollar realisiert wurde. Erst im heurigen Jahr wirksam wird hingegen der Verkauf der 22,4 Prozent an der Investkredit an die ÖVAG.

Die Bilanzsumme der BAWAG P.S.K. stieg um 10,7 Prozent auf 56,27 Mrd. Euro. Auch im heurigen Jahr will die Bankengruppe wachsen, im ersten - laut Management noch nicht wirklich repräsentativen - Quartal 2005 habe die Bilanzsumme der beiden Bank-Aktiengesellschaften um 2,5 Prozent zugelegt.

Die BAWAG P.S.K. beschäftigte 2004 rund 5.800 Mitarbeiter, davon rund 4.000 in den "Kernbanken" BAWAG und Postsparkasse (P.S.K.), rund 800 in deren inländischen Töchtern und Beteiligungen und rund 1.000 im Ausland.

Osttöchter sollen bis 2008 Geschäft verdoppeln

In Osteuropa will die BAWAG P.S.K. deutlich wachsen. Die Tochtergesellschaften in der Slowakei und in Tschechien sollen bis zum Jahr 2008 die Bilanzsumme von derzeit 2,2 Mrd. Euro auf 5 Mrd. Euro verdoppeln, sagte Zwettler. In Slowenien werde zur Jahresmitte, im Juli oder August, eine Tochtergesellschaft als Vollbank in Laibach starten. Ebenfalls im Sommer eröffnet wird eine Repräsentanz in Tripolis (Libyen).

Bisher wurde der Maghreb-Raum über die Tochterbank in Malta bearbeitet, die 2004 einen Nachsteuergewinn von mehr als 16 Mio. Euro erzielte. In Mittel- und Osteuropa (CEE) ist die Bankengruppe in Tschechien mit zwei Banken, der BAWAG Bank CZ (ehemals Interbanka) und der BAWAG International CZ (vormals Dresdner Bank CZ) vertreten, die demnächst fusioniert werden. Das Filialnetz soll kräftig ausgebaut werden. In der Slowakei gehört der BAWAG P.S.K. die Istrobanka und in Ungarn ist sie mit 10,4 Prozent an der MKB beteiligt.

In den Osttöchtern will die BAWAG auch die von Österreich bewährten Wege der Vermittlung von Bankgeschäften über Betriebsräte gehen. Hier ist man mit den örtlichen Gewerkschaften bereits im Gespräch dazu.

Höhere Risikovorsorgen in CEE

Während nach außerordentlichen Effekten der Jahresüberschuss der Osteuropa-Töchter mit 14 Mio. Euro beziffert wird, weist die Bankengruppe in ihrem Geschäftsbericht 2004 für Mittel- und Osteuropa einen Jahresüberschuss vor Steuern von 4,5 Mio. Euro aus, nach 15 Mio. Euro im Jahr davor. Während die Risikovorsorgen in Österreich von 110,5 Mio. Euro auf 69,9 Mio. Euro zurückgegangen sind, gab es in CEE einen Anstieg von 0,9 auf 14,1 Mio. Euro. Die Eigenkapitalrentabilität vor Steuern ist in CEE von 18,4 auf 3,1 Prozent zurückgegangen, in Österreich stieg sie von 12,0 auf 12,2 Prozent.

Was die Beteiligungen in Österreich betrifft, so sei die Schuh-Gruppe Stiefelkönig auf einem "sehr guten" Weg, so Zwettler. Für heuer werde ein positiver Cash-Flow erwartet, für 2006 gehe man davon aus, dass Stiefelkönig in den schwarzen Zahlen sei. Die Klaviermanufaktur Bösendorfer sei dabei, sich von der Dollar-Abhängigkeit abzukoppeln.

Kein Statement zu ATVplus-Börseplänen

Für die gut 41-prozentige Beteiligung der BAWAG am Privatsender ATVplus lässt sich Zwettler weiter nicht in die Karten schauen. Um den Sender gibt es seit längerem wiederkehrende Verkaufsgerüchte, zuletzt war Herbert Kloiber, neben der BAWAG zweiter Hauptgesellschafter und ebenfalls mit rund 40 Prozent beteiligt, in einem Magazinbericht mit Börseplänen zitiert worden: "Der Herbst 2005 oder das Frühjahr 2006" sei ein möglicher Zeitpunkt für den Börsegang, so hieß es in dem Bericht. Zwettler kann sich Kloibers Aussage aktuell nur als "Modellbeispiel" im Zusammenhang mit der Entwicklung beim deutschen Bezahlsender "Premiere" verstanden vorstellen. "Im Mediengeschäft muss man langfristig denken", so Zwettler heute.

Die BAWAG hat heute 169 Bankfilialen in Österreich, davon 158 als BAWAG AG und 12 von Tochterbanken. Bei rund 170 will Zwettler die Filialzahl halten, "der Filialbetrieb wird bei uns nach wie vor eine tragende Säule sein."

Für den Vertrieb bedient sich die Gruppe BAWAG P.S.K. zudem der noch 1.634 Postämter. Die Schließungen von Postamtsfilialen - bei der Übernahme der P.S.K. durch die BAWAG waren es 2.300 gewesen - habe man bisher durch Mehrgeschäft in den (expandierenden) Finanzberatungszentren kompensieren können. Das soll auch weiter der Fall sein, erwartet sich P.S.K.-Vorstandschef Stephan Koren. Entscheidend sei die Effizienz. Zwei Drittel des Neugeschäfts im Vertrieb über Postämter stammten zuletzt von den Finanzberatungszentren, deren Zahl bis 2006 von 243 auf 300 steigen soll. (APA)

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