Ärzte gegen Zwangsernährung von Hungerstreikenden

10. Mai 2005, 13:48
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Für Traumatisierte den notwendigen Schutz sowie die adäquate therapeutische Betreuung gewährleisten

Wien - Im neuen Asylgesetz soll neben dem erschwerten Zugang von Traumatisierten zum Verfahren Zwangsernährung für Schubhäftlinge eingeführt werden. Namhafte Ärzte äußerten am Donnerstag Bedenken dagegen an. "Neben der Sorge um verstärkte Selbstbeschädigungs- und Selbstmordversuche wirft das Mittel der Zwangsernährung Fragen des medizinisch-ethischen Selbstverständnisses auf", heißt es in einer Aussendung.

Ärzte wie Max Friedrich (Neuropsychiatrie Wien), Herbert Budka (Wissenschafter des Jahres 1998), Karin Gutierrez-Lobos (Universitätsklinik für Psychiatrie) oder Werner Leixnering (Wagner-Jauregg, Linz) appellieren an Innenministerin Liese Prokop (V), "von Zwangsernährung in der Schubhaft Abstand zu nehmen und für Traumatisierte den notwendigen Schutz sowie die adäquate therapeutische Betreuung zu gewährleisten."

Nach der Judikatur des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sei eine Zwangsernährung nur zulässig, wenn sie medizinisch unbedingt notwendig ist. Da die Schubhaft eine Maßnahme im Verwaltungsverfahren und keine Strafe sei, erscheine es "schwer vorstellbar, dass eine Zwangsernährung medizinisch notwendig ist, wenn sie durch andere Maßnahmen verhinderbar wäre", heißt es. (APA)

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