In 40 Prozent der Büros wird gemobbt

9. Mai 2005, 13:53
81 Postings

Studie: Folgen sind Arbeitsausfall bis zum Selbstmord - Vor allem Arbeitnehmer mit geringem Einkommen betroffen

Wien - Tuschelnde Kollegen, Ignorieren von Leistungen oder Unterlagen, die vom Tisch "verschwinden", sind offensichtlich in vielen Büros keine Seltenheit.

Nach einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Imas, die am Donnerstag in Wien präsentiert wurde, wird an mehr als 40 Prozent der österreichischen Arbeitsplätzen gemobbt. Elf Prozent der Befragten gaben sogar an, dass sie mehrmals pro Monat systematisch schikaniert werden. Betroffen sind überdurchschnittlich viele Wiener.

Die vom Büromöbelhersteller Blaha in Auftrag gegebene Studie, in deren Rahmen mehr als 1.000 Österreicher befragt worden sind, förderte weitere Details zu Tage: Vor allem Personen, die weniger als 1.400 Euro verdienen, sind vom Mobbing betroffen.

Ältere Arbeitnehmer häufiger betroffen

Häufiger als ihre jüngeren Kollegen sind offenbar Beschäftigte ab 45 Jahren Opfer der Schikane. Männer und Frauen sollen in gleichem Maß unter "heimtückischen" Kollegen oder Vorgesetzten leiden.

Gründe für diese Zahlen sehen die Studienautoren unter anderem in den kontinuierlich steigenden Arbeitszeiten, im immer stärker werdenden Druck auf die Beschäftigten, verstärkt durch die Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren.

Bis zum Selbstmord

Folgen sind sinkende Motivation, Krankheiten, Panikattacken und im schlimmsten Fall Depressionen. Jeder sechste Selbstmord in Österreich soll damit in Zusammenhang stehen, hieß es bei der Pressekonferenz.

Während das Phänomen Mobbing in österreichischen Büros immer mehr um sich greift, scheint das Problem selbst vielen Unternehmen noch nicht bewusst zu sein, meinte Doris Eyett, Research Director von Imas International. Abhilfe könne - so die Studie - zum Beispiel eine moderne und freundliche Büroausstattung schaffen.

Auch die Errichtung von Kommunikationszentren, in denen sich Kollegen austauschen, könne einem negativen Betriebsklima vorbeugen. 45 Prozent der Befragten gaben an, dass sie einen solchen "Plauderraum" für sehr wichtig halten und jeder Dritte betonte die große Bedeutung der Ausstattung von Büros.

ÖGB bietet Beratung für Betroffene

"Mobbing passiert, wenn die Kommunikation nicht passt und hat meist strukturelle Ursachen", erklärte am Donnerstag auch der ÖGB in einer Aussendung. Eine freundliche Arbeitsumgebung mit moderner Büroausstattung allein reiche nicht aus, um Mobbing zu verhindern. "Unklare Hierarchien im Betrieb, eine unklare Kompetenzaufteilung und der zunehmende Druck am Arbeitsplatz sind die häufigsten Ursachen für Mobbing", erläuterte ÖGB-Mobbling-Expterin Anni Musger-Krieger.

Für betroffene Gewerkschaftsmitglieder gibt es ein ÖGB-Beratungszentrum, erreichbar unter der Telefonnummer 01/53444-344 und unter der E-Mail-Adresse beratungszentrum@oegb.at. Für die Inanspruchnahme der Mobbing-Beratung ist eine Terminvereinbarung erforderlich. (APA)

Links

Imas

Blaha
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Mobbing-Folgen sind sinkende Motivation, Krankheiten, Panikattacken und im schlimmsten Fall Depressionen.

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.