Pressestimmen zu Putins Initiative

2. Mai 2005, 10:58
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"Moskau will aus Statusgründen dabei sein"

Frankfurt - Der Vorschlag des russischen Präsidenten Wladimir Putin, eine internationale Nahost-Konferenz in Moskau abzuhalten, wird am Donnerstag von mehreren Zeitungen kommentiert:

"Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ):

"Deutlich ist, dass Putin im Nahost-Prozess, der vor sich hindümpelt, offenbar aktiv werden und nicht alles den Amerikanern überlassen will. Zusammen mit Washington, den Vereinten Nationen und der Europäischen Union gehört Moskau ja zu den Schöpfern der 'Roadmap', an deren Ende die Schaffung eines unabhängigen Staates der Palästinenser an der Seite Israels stehen soll. (...) Russland meldet sich in einer Region zurück, in der die Sowjetunion einst großen Einfluss hatte. Moskau versucht neben Amerika, eine eigenständige Rolle zu spielen, die über die eines Juniorpartners hinausgeht. In Israel, dessen Staatsgründung nach dem Zweiten Weltkrieg ohne die Sowjetunion kaum zu Stande gekommen wäre und wo zahlreiche jüdische Auswanderer aus Russland leben, hat sich Putin mit der Wiederanknüpfung der Beziehungen zur arabischen Welt - verbunden mit Waffenlieferungen - nicht nur Freunde gemacht. Dass Russland entschlossen ist, Luftabwehrraketen mit geringer Reichweite an Syrien zu liefern, hat in Israel große Besorgnis hervorgerufen, und es hieß, Sharon werde nichts unversucht lassen, Putin von dem Waffengeschäft abzubringen."

"die tageszeitung" (taz) (Berlin):

"Lange fehlte dem Kreml eine klare Politik gegenüber der arabischen Welt, die einst zu Moskaus engsten Verbündeten zählte. Putins Reise in den Nahen Osten mit Stippvisite in Israel wird daran kaum etwas ändern. Zwar dient die nicht nur dem Geschäft, sondern vor allem Russlands internationalem Ansehen. Obgleich Mitglied des 'Quartetts', spielte Moskau bislang dort keine besondere Rolle. Dabei sein wollte man vor allem aus Statusgründen. Inzwischen hat der Kreml erkannt, dass in der Region nicht nur die Weichen der Energiepolitik gestellt, sondern auch über die Beschaffenheit der arabischen Welt entschieden wird. Ob Afghanistan, Irak oder Libanon - Moskau schaut nur zu. Die traditionelle Nähe zwischen der arabischen Welt und Moskau, wie sie in der UdSSR beschworen wurde, ist längst Mythos.

"Handelsblatt" (Düsseldorf):

"Putins Anregung einer Friedenskonferenz in Moskau wurde in Israel nur verhalten aufgenommen. Man sei grundsätzlich gegen eine 'internationale Einmischung' in den Konflikt mit den Palästinensern, verlautete aus Sharons Büro. 'Wir sind allein zur Vermittlung durch die USA bereit, nicht aber durch andere Staaten', hieß es. (...) Das Klima zwischen Moskau und Jerusalem wird derzeit vor allem durch die kürzlich zugesagten russischen Waffenlieferungen an Syrien belastet. Israel befürchtet, dass die russischen Luftabwehrraketen die Sicherheit des zivilen Luftverkehrs bedrohen könnten, wenn sie einmal in syrischen Händen sind. (...) Mit zunehmendem Argwohn verfolgt Israel allerdings auch die enge Zusammenarbeit zwischen Russland und dem Iran im Atombereich." (APA/AFP/dpa)

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