Andreas Unterberger ab 1. Mai Chefredakteur der "Wiener Zeitung"

11. Mai 2005, 22:36
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"Absolut unabhängig und weisungsfrei" - Der ehemalige "Presse"-Chefredakteur will sich schreiberisch "intensiv einbringen"

Andreas Unterberger (56) wird mit 1. Mai Chefredakteur der "Wiener Zeitung". Unterberger wurde in den vergangenen Wochen bereits als aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge von Peter Bochskanl (65) gehandelt (etat.at berichtetet). Nun sei sein Engagement fix, bestätigte der frühere "Presse"-Chefredakteur im Gespräch mit der APA.

Neu ist dabei, dass Unterberger als Chefredakteur der im Eigentum der Republik befindlichen Tageszeitung "absolut unabhängig und weisungsfrei" gestellt sei - eine Lösung ähnlich wie bei ORF oder den Bundestheatern. "Das macht mich sehr optimistisch für die neue Aufgabe." Zu inhaltlichen Plänen wollte Unterberger noch nichts sagen. "Natürlich habe ich Ideen, aber ich will das erst gemeinsam mit der Mannschaft erarbeiten. Vorher in der Öffentlichkeit darüber zu reden wäre ungehörig." Im Gegensatz zu seinem Vorgänger will sich Unterberger jedenfalls schreiberisch "intensiv einbringen - mit einer Kolumne".

"Schwierige Marktsituation"

Generell sieht der neue Chefredakteur die "Wiener Zeitung" in einer "schwierigen Marktsituation". Die derzeitige Entwicklung auf dem Medienmarkt eröffne aber ein "Mondfenster", sagte Unterberger. "Durch die zunehmende Boulevardisierung, den Linksruck mancher Medien und den Umstand, dass alle wie das Kaninchen auf die Schlange Fellner-Zeitung blicken, gibt es Platz für eine seriöse Tageszeitung." Als solche wolle er die "Wiener Zeitung" strategisch positionieren. Ob er mit "Linksruck" seinen früheren Arbeitgeber "Presse" meint? "Ich habe keinen Namen genannt", so Unterberger, der selbst einen Ruf als Wertkonservativer und Wirtschaftsliberaler genießt.

Regionale Monopole

Seine Haltung zum Amtsblatt der "Wiener Zeitung" und den darin abgedruckten Pflichtveröffentlichungen hat Unterberger inzwischen etwas adaptiert. Sprach er als "Presse"-Chefredakteur noch von "Anzeigenmonopol" und einer "eklatanten Marktverzerrung", meint er nun, "dass diese Abhängigkeit der 'Wiener Zeitung' sicher nicht der Idealzustand ist, aber angesichts einer monopolistisch beherrschten Medienlandschaft - und hier meine ich nicht nur die Mediaprint, sondern auch regionale Monopole - ist das das kleinere Übel".

Wenn es zu einer Entflechtung dieser Monopole kommt, dann seien die Pflichtveröffentlichungen im Amtsblatt aber durchaus ein Diskussionspunkt. "So aber sichert das Amtsblatt eine kleine, monopolfreie Medienstimme. Außerdem wird mittlerweile in der 'Wiener Zeitung' die Informationsbringschuld des Staates durch ein schon sehr ausgefeiltes Internet-Nutzungssystem erfüllt, das eine Vielfalt von Amtsblatt-Medien so gar nicht anbieten könnte." (APA)

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    Andreas Unterberger, geboren am 2. Jänner 1949, war von 1973 bis 2004 für "Die Presse" tätig. 1980 wurde er dort Chef vom Dienst, 1982 Ressortleiter der Außenpolitik und schließlich 1995 als Nachfolger von Michael Maier Chefredakteur. Ende vergangenen Jahres musste er in dieser Funktion für Michael Fleischhacker Platz machen.

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