Eines für alles

1. Mai 2005, 11:00
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Mit Handies kann man nicht nur mobil telefonieren. Handies sind auch - seit es sie gibt - Träger großer Visionen. Jetzt werden diese Visionen brauchbar

Schlüsseldienste haben wohl bald ausgedient. Zumindest, wenn man das Future Home vom Telekom Austria, eine Installation von dem, was einmal Standard im trauten Heim sein könnte, als Maßstab nimmt. Wer den Schlüssel vergessen hat, klickt sich ins multimediale Zutrittssystem neben der Wohnungstür ein und sendet dem Partner, der Partnerin ein SMS oder eine Videobotschaft. "Sei so gut und lass mich rein!" Die Tür kann dann vom internetfähigen Handy oder vom Personal Digital Assistant (PDA) aus der Ferne geöffnet werden. Blöd nur, wenn man Single ist. Aber auch dafür wird es einmal die passende Lösung geben.

Mangelnde Benutzbarkeit

Handys können mehr als nur telefonieren, heißt es schon seit Jahren gebetsmühlenartig in den Analysen. Lange merkte der Handynutzer abgesehen vom SMS-Schreiben nicht allzu viel davon. Es mangelte an der Benutzbarkeit, aber auch am Interesse der User für die einzelnen Features: Laut einer Marketagent.com-Umfrage greifen nur 4,3 Prozent der Handynutzer hierzulande auf sämtliche Funktionen ihres Mobiltelefons zu. Und nur 150.000 von acht Millionen Handybesitzern, kaufen laut Angaben der Mobilkom-Tochter paybox mit ihrem Handy.

Die Innovationsmaschine läuft

Die Hoffnung auf mehr Kundeninteresse bleibt, weil der Mobiltelefoniemarkt bekanntlich gesättigt ist und Netzbetreiber allein mit Sprache nicht mehr das große Geld verdienen. Die Hoffnung hält auch die Innovationsmaschine am Laufen: Dabei scheint sich langsam das Denken der Technologieentwickler weg von "Lange Zeitungsartikel lesen auf einem Mini-Display" in Richtung "Nützlich für den Alltag" zu wandeln. Andreas Wiesmüller von "3 united" meint: "Es geht darum, dass mich das Handy in dem, was ich mache, unterstützt. Nicht darum, dass es mich in eine virtuelle Welt hineinzieht, die mit meiner Realität nichts zu tun hat."

Mobiler Parkschein

Mobiles Parkscheinlösen oder Ticketkaufen gehört laut Wiesmüller zu den brauchbaren Anwendungen - derzeit nur eben mit Wachstumsproblemen. "Push To Talk" scheint auch chancenreich zu sein, besonders bei 12 bis 19-Jährigen. Mit nur einem Tastendruck kann man hier wie mit einem Walkie-Talkie nicht nur für die Liebste, sondern für eine ganze Community erreichbar sein. US-Netzbetreiber machen schon bis zu 15 Prozent Umsatz damit. Die Verknüpfung von Instant Messaging Netzwerken mit dem Handy könnte natürlich auch die Push-to-Talk-Zielgruppe ansprechen. Nachrichten, die via "Messi" oder ICQ nicht ankommen, weil der User gerade nicht zu Hause am PC sitzt, werden einfach aufs mobile Endgerät weitergeleitet. Da schon heute einige Handys mit MP3-Funktion ausgestattet sind, man also Songs am Mobiltelefon hören kann, sehen Netzbetreiber in der Kombination von all dem schon eine künftige üppige Geldquelle am Horizont.

Zusatzanwendung

20- bis 40-jährige Handynutzer, sagen Experten, sehnen sich eher nach der Zusatzanwendung, die Nutzen für Haus und Alltag bringen. Im Future House etwa ist nicht nur der Schlüsseldienst von der Ferne, auch die Kühlschrankregulierung von irgendwo möglich. Das System schickt zuvor Warnungen per SMS ans Mobiltelefon, wenn Gefahr in Verzug ist. Auch Supermarkt-Einkäufe mittels internetfähigem Handy sollten bald kein Problem mehr sein. Dank "Near Field Communication", einem Minichip, kann das Mobiltelefon RFID-Cips (Radio Frequency Identification) lesen, die Nachfolger der Barcodes, und der User bargeldlos die Packerlsuppe kaufen. Schöne neue Konsumwelt - gar nicht so weit weg von der Gegenwart. Handyanwendungen, die den Netzbetreibern das große Geld bringen? (Peter Illetschko/DER STANDARD/ALBUM, Printausgabe)

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