Herberstein droht Sperre des Tierparks

2. Mai 2005, 19:28
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Im Sommer könnten die ersten Tiere abtransportiert werden, wenn die Politik nicht helfend eingreift

Dem gräflichen Tierpark Herberstein droht noch in diesem Jahr die Schließung, wenn die Politik nicht helfend eingreift. Ein Rechnungshof-Bericht könnte für neuen Wirbel sorgen.

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Graz - Im Sommer könnten die ersten Tiere abtransportiert werden, sagt Zoo-Chef Andreas Kaufmann. Sollten die steirischen Landespolitiker nicht binnen 14 Tagen die Übernahme des Tierparks Herberstein in die Landeshoheit in die Wege leiten, werde dieses "Ausstiegsszenario" mit unvermeidlicher Schließung noch in diesem Jahr eingeleitet, präzisierte der Rechtsberater und Beirat der Tier- und Naturpark Schloss Herberstein OEG, Hans Kortschak am Mittwoch.

Das Unternehmen sei nicht mehr in der Lage und willens, die Abgänge des Parks zu finanzieren, zumal die Landespolitiker die ursprünglichen Förderzusagen in der Höhe von 8,7 Millionen Euro eingehalten hätten.

Zu hohe Pacht

Da SPÖ und FPÖ aber nicht bereit sind, die Höhe des Pachtzinses im Ausmaß von rund 300.000 Euro jährlich - mit dem Hinweis auf bereits getätigte Millionensubventionen - zu akzeptieren, könnte der Park tatsächlich auf eine Schließung zusteuern. Zumal Kortschak auch klarstellte: "Mit SPÖ-Chef Franz Voves werden wir sicher nicht mehr über die Pacht verhandeln."

Das "Rettungskonzept" für den Tierpark, das Landeshauptfrau Waltraud Klasnic ausarbeiten ließ, sieht vor, dass die landeseigene Museumsgesellschaft Joanneum den Tierpark pachtet und auch betreibt. Überdies soll der Standort Herberstein durch die Errichtung eines "Hauses der Natur" aufgewertet werden.

Förderabwicklung

Das Unternehmen Tierpark Herberstein kommt jetzt aber noch von anderer Seite unter Druck. Der demnächst endredigierte Rechnungshofbericht über Herberstein werde etliche schwere Mängel bei den bisherigen Förderabwicklung aufdecken, sagte die Grünen-Klubchefin Ingrid Lechner-Sonnek im Gespräch mit dem STANDARD. Ihr lägen Informationen vor, wonach bei den Landesförderungen, "nicht alle Regeln eingehalten wurden". Bisweilen seien vom Land etwa "keine Nachweise über die Verwendung der Mittel verlangt worden".

In Summe sind bisher mehr als sechs Millionen Euro geflossen. Aber nur ein Teil, rund 200.000 Euro, für den Tierpark, schränkt Kortschak ein. Sämtliche Förderungen seien korrekt und nachvollziehbar eingesetzt worden.

Neue Pachtverhandlungen

Lechner-Sonneck verlangt, dass mit der Entscheidung, ob und wie das Land beim maroden Tierpark einsteigt, noch zugewartet werden müsse, bis der RH-Bericht vorliege.

Ähnlich argumentieren auch SPÖ und FPÖ. SP-Landeshauptmannvize Franz Voves sagte, dass Land dürfe sich jetzt "auf keinen Fall erpressen lassen". Es sei "bedauerlich, dass der Anwalt des Tier-und Naturparks weitere Verhandlungen bezüglich der Reduzierung der geplanten Pacht von vornherein ablehnt". Vor weiteren Schritten müsse der RH-Bericht abgewartet werden. Unterdessen solle Landeshauptfrau Klasnic neue Pachtverhandlungen mit Herberstein aufnehmen. (Walter Müller, DER STANDARD Printausgabe 28.4.2005)

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    Das "Rettungskonzept" für den Tierpark sieht vor, dass die landeseigene Museumsgesellschaft Joanneum den Tierpark pachtet

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