Vom Augenblick der Gruabn-Ablösung

2. Mai 2005, 12:07
3 Postings

Pachtrechte von Sturm sind für die Stadt Graz ein Schnäppchen

Graz/Wien - Die Schulden des einen sind der Gewinn des anderen. Als vor ein paar Monaten Sturms Präsident Hannes Kartnig bei der Stadt Graz vorstellig wurde, um die Schulden des Vereins zu besprechen und womöglich streichen zu lassen, erhielt er eine Abweisung und eine Aufforderung. "Die Schulden konnte ich natürlich nicht wegmachen", erzählt der Grazer Finanzstadtrat Wolfgang Riedler (SP). "Aber ich habe den Herrn Kartnig gefragt, was er mit der Gruabn vorhat." Nichts Besonderes, stellte sich heraus.

Sturm hat kein Geld, um das in der Gruabn geplante Trainingszentrum errichten zu lassen. Nicht einmal für den Beginn des Baus reichen die Mittel, und die beiden Drittelanteile vom Land Steiermark und der Stadt Graz würden erst nach Baubeginn fließen. Die Kosten für den Baubeginn aber muss Sturm allein tragen, wie es der GAK bei seinem Trainingsheim auch schaffte.

Riedler wusste, dass der steirische Fußballverband die Gruabn am Ende der Sommersaison auch für Jugendspiele sperren würde. Die Anlage ist einfach nicht mehr zeitgemäß, das Spielfeld unterschreitet die erforderlichen Mindestmaße. Unter dem Platz läuft eine dicke Gasleitung, und außerdem hatte Kartnig schon einmal eine Genehmigung unterschrieben, die Gruabn für den so genannten Jakominiring, eine seit Längerem geplante größere Straße, überbauen zu lassen. Was die Anziehungskraft des Sportplatzes auch nicht erhöht hätte.

Der Zeitpunkt, der Stadt Graz den demnächst brachliegenden Sportplatz einzuverleiben, schien günstig, so Riedler. Sturms Finanzsorgen waren so dringend, dass Kartnig den Deal durchzog. Riedler hatte ein Liegenschaftsbewertungsgutachten machen lassen, um die aus Steuergeld finanzierte Ablöse der quasi ewigen Pachtrechte des Vereins zu begrenzen. Riedler: "Da es sich um keine Förderung handelt, muss ich den Verein auch nicht prüfen lassen. Was Sturm mit dem Geld macht, geht mich nichts an."

Darüber hinaus schien mehr als unsicher, ob bei einem Konkurs des Vereins die Stadt Graz die Gruabn überhaupt aus der Masse lösen könne, so Riedler. "Das Sportstättenschutzgesetz macht die Auflösung von Sportstätten zu einem heiklen Unterfangen."

Steuer, Erleichterung

Das Geschäft mit Sturm stellte sicher, dass der Verein die Schulden bei der Stadt Graz begleicht. "So habe ich die Kommunalsteuer gerettet", so Riedler. Sturm kriegt von den 1,45 Millionen Pachtablöseeuros, was nach Abzug der Verbindlichkeiten übrig bleibt. Auch damit ist Sturm geholfen, das Trainingszentrum scheint freilich auf eine Warteschleife geschickt.

Kartnig hätte die Gruabn übrigens schon einmal fast verkauft, so Riedler. Damals war man sich über den Preis von 1,8 Millionen Euro einig. Es war die Zeit von Sturms Höhenflügen und der Eröffnung des Stadions Liebenau (1997). Doch Kartnig unterlag plötzlich einer Appetitsteigerung, wollte mehr als zwei Millionen. Worauf der Deal platzte. (DER STANDARD, Printausgabe, Donnerstag, 28. April 2005, Johann Skocek)

Share if you care.