Tiergarten Schönbrunn: Das erste Zebra kam noch zu Fuß

11. November 2005, 16:14
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Das erste Zebra war eine Sensation. Das Geschenk und legte die Strecke Den Haag bis Wien größtenteils zu Huf zrück

"Von Kaiser bis Känguru" heißt der erste Band einer historischen Reihe über den Tiergarten Schönbrunn. Auch die Tierhaltung unterlag stets der Mode.

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Wien – Das erste Zebra war eine Sensation. Das "Tigerpferd", wie man es 1786 noch nannte, kam als Geschenk des holländischen Prinzregenten Willem V. aus den Niederlanden in die Menagerie Schönbrunn. Sensationell aus heutiger Sicht ist, dass das Tier die Strecke von Den Haag bis nach Wien größtenteils zu Fuß – oder wohl besser zu Huf – zurücklegte. Fast zwei Monate waren das Zebra und sein Betreuer unterwegs.

Mit Legenden aufräumen

"Auch die Auswahl der Tiere unterliegt einem kulturellen Wertewandel", schildert Dagmar Schratter, stellvertretende Tiergartendirektorin und Mitherausgeberin des Bandes "Von Kaiser bis Känguru" bei der Buchpräsentation am Mittwoch in Wien. Die aufwändige Quellenarbeit für die Beiträge brachte teils neue Forschungsergebnisse und räumt mit Legenden auf, wie jener, das es unter den Greifvögeln einen 100-jährigen Methusalem geben soll.

Historische Aspekte der Tierhaltung

Für Tiergartendirektor Helmut Pechlaner hat der Titel "Von Kaiser bis Känguru" durchaus symbolisch Kraft. Stehe das Känguru, so Pechlaner, doch für das "Los aller Tiergärten, mit leerem Beutel einen großen Sprung machen zu müssen". Weitere Publikationen zur mehr als 250-jährigen Geschichte des Tiergartens und zu den historischen Aspekten der Tierhaltung sollen folgen.

Je exotischer, umso besser

Wichtigstes Kriterium bei den Besuchern damals wie heute: je exotischer, umso besser. Und so kamen die Wiener 2003 in Scharen, um einen Blick auf die Pandas Yang Yang und Long Hui zu erhaschen. Exotisch waren 1804 auch die beiden Riesenkänguru-Pärchen, ein Präsent des englischen Königs. Mitte des 19. Jahrhunderts waren Tiere in erster Linie diplomatische Geschenke. Mit den Kängurus konnte aber erstmals mit der Züchtung einer Spezies begonnen werden. Erfolgreich, denn bereits 1805 ließ Napoleon, der sich bei seinem Feldzug in Schönbrunn einquartiert hatte, eines der Jungtiere nach Frankreich schicken.

(Bettina Fernsebner-Kokert, DER STANDARD Printausgabe 28.4.2005

Pechlaner/Schratter/Heindl: "Von Kaiser bis Känguru", Braumüller-Verlag

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