Salzburger Studie: Auch Handy-Masten beeinflussen Hirnströme

3. Mai 2005, 10:12
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Weltweit erster Nachweis - Teilnehmer klagten über viele Symptome

In einer Salzburger Studie konnte nun weltweit erstmals nachgewiesen werden, dass nicht nur die Strahlung eines Handys zu einer Veränderung der Gehirnströme führt, sondern dass auch Mobilfunk-Sendeanlagen diese beeinflussen. Die veränderten Hirnströme wurden mit dem EEG aufgezeichnet. Auch die Testteilnehmer schilderten verschiedene Symptome, wie Herzbeklemmung, Nervosität oder Ohrengeräusche, wie Studienautor Gerd Oberfeld berichtete.

Die Ergebnisse sollen nun in internationalen Fachzeitschriften veröffentlicht werden

Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen die Notwendigkeit, so Oberfeld, die Gesundheitsbelastung durch hochfrequente elektromagnetische Strahlung zu reduzieren und die Forschung zu intensivieren. Die Ergebnisse zeigen weltweit erstmals, dass die Einstrahlung einer Mobilfunk-Sendeanlage (GSM 900/1800 MHz) in etwa 80 Meter Distanz zu signifikanten Veränderungen unterschiedlicher EEG-Parameter führt. Die Ergebnisse sollen nun in internationalen Fachzeitschriften veröffentlicht und durch weitere Untersuchungen abgesichert werden.

KLagen

Anlass für die Studie waren Klagen der Rudolf-Steiner-Schule in der Stadt Salzburg über eine Mobilfunk-Sendeanlage in etwa 80 Metern Entfernung. Im August 2004 wurde daher der Religionsraum für eine Woche zum Labor für die interdisziplinäre Studie unter der Leitung des Salzburger Umweltmediziners Gerd Oberfeld. Neun Frauen und drei Männer im Alter von 20 bis 78 Jahren, die sich selber gegenüber Mobilfunk-Sendeanlagen als empfindlich bezeichneten, stellten sich freiwillig für das Experiment zur Verfügung.

Die Probanden wurden in einen bequemen Polstersessel mit dem Rücken zum geöffneten Fenster gesetzt. Anschließend wurden zur Aufzeichnung der bioelektrischen Aktivität des Gehirns (Elektroenzephalogramm, kurz: EEG) mehrere Elektroden verteilt auf dem Kopf angebracht. Andere Umweltreize wurden so weit wie möglich abgeschirmt (dunkle Augenmaske und Ohrenwachs).

26 Mikrowatt

Zu Beginn des Versuches war die Strahlenbelastung im Raum bzw. bei der Versuchsperson durch einen Abschirmvorhang deutlich reduziert und betrug im Schnitt im Kopfbereich etwa 26 Mikrowatt (Millionstel Watt) pro Quadratmeter. Danach wurde für 15 Minuten der Vorhang unmerkbar für die Studienteilnehmer angehoben. Dies führte zu einem Anstieg der Leistungsflussdichte auf etwa 3.327 Mikrowatt. Danach folgte wieder eine geschirmte Phase mit rund 26 Mikrowatt.

Nach Abschluss der EEG-Aufzeichnungen wurden die Studienteilnehmer gebeten, allfällige Wahrnehmungen zu schildern. Elf der zwölf Studienteilnehmer schilderten verschiedene Symptome wie etwa Bienenkorb-Surren im Kopf, Herzklopfen, Unbehagen, Benommenheit, Herzbeklemmung, Atemnot, Nervosität, Unruhe, Kopfschmerzen, Ohrgeräusch, Hitzegefühl, Niedergeschlagenheit, oder das Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen.

Reaktion

"Diese (auch gemessenen, Anm.) Veränderungen können als Reaktion des Gehirns auf einen äußeren Reiz - im speziellen Fall durch die Strahlung einer GSM-Mobilfunksendeanlage - angesehen werden. Äußere Reize, die zu einer Reaktion des biologischen Systems führen, werden als externe Stressoren bezeichnet. Stressoren sind nicht grundsätzlich negativ, können jedoch bei zu häufigem Auftreten bzw. bei zu großer Intensität in Abhängigkeit von der Empfindlichkeit des betroffenen Menschen zu Störungen der Lebensqualität, der Arbeitsleistung und der Gesundheit führen", erläuterte Oberfeld. Wegen der von fast allen Studienteilnehmern geschilderten zum Teil erheblichen Störungen des Wohlbefindens sei zumindest bei auf Handy-Strahlung empfindlichen Personen bereits bei einer kurzzeitigen Einwirkung eine solche Reaktion anzunehmen.(APA)

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