Martin Ulrich: "Gegen den Abstieg"

2. Mai 2005, 10:33
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Österreichs Rekord-Teamspieler ist sich der Schwere der nahenden Aufgabe voll bewusst - "Müssen bis zum Schluss kämpfen"

Wien - Der Rekordspieler des österreichischen Eishockey-Nationalteams, Martin Ulrich, bestreitet ab Samstag seine zweite Weltmeisterschaft auf heimischem Eis. Ulrichs Erinnerungen an die bisher letzte WM in Wien 1996 sind alles andere als gut: "Damals sind wir gegen Frankreich abgestiegen und das wollen wir heuer unbedingt vermeiden."

Fahnenträger für Rumänien

Bereits 1977 bei den zweiten Titelkämpfen in Österreich war der Wiener im Alter von sieben Jahren als Träger der rumänischen Fahne im Einsatz. Zehn Jahre später kurvte er mit der schwedischen Flagge über das Eis der Wiener Stadthalle - Ulrich hat damit drei der bisher vier bisherigen Heim-Weltmeisterschaften hautnah miterlebt.

Traum und Wirklichkeit

"Angesichts unserer Vorrunden-Gegner Russland, Slowakei und Weißrussland spielen wir realistisch betrachtet von Anfang an gegen den Abstieg", gibt sich der mittlerweile 35-Jährige keinen Illusionen hin, fügt aber hinzu: "Der Einzug in die Zwischenrunde und der vorzeitige Klassenerhalt wären natürlich ein Traum." Ulrich, der sein Teamdebüt am 7. Dezember 1989 in der DDR gegeben hat, ist sich der Bedeutung des Verbleibs in der A-Gruppe bewusst: "Auch für den österreichischen Nachwuchs wäre das natürlich enorm wichtig. Wir sind eine kleine Eishockey-Nation und trotzdem schon lange erstklassig."

Zwei Meistertitel mit Mannheim

Seine erste WM spielte der Verteidiger 1991 in der B-Gruppe in Laibach, wo er gleich zum besten Verteidiger des Turniers gewählt wurde. Seit damals hat sich vieles geändert. "Die Spieler haben eine andere Einstellung. Es wird viel professioneller gearbeitet, obwohl das Team in den 90ern auch nicht schlecht war. Viele Spieler sind im Ausland, das wirkt sich positiv auf das Niveau aus", urteilt der 1,88-m-Mann, der seit vier Jahren bei der Düsseldorfer EG Metro Stars unter Vertrag steht. Mit den Adlern Mannheim feierte Ulrich 1997 und 1998 gemeinsam mit Team-Kapitän Dieter Kalt zwei deutsche Meistertitel.

"Das war die bisher schönste Zeit meiner Karriere. Wir hatten einen unglaublichen Erfolgslauf und damals habe ich gelernt, das Verlieren zu hassen. Die DEL ist auf Grund der hohen Leistungsdichte auch ein anderes Kaliber als unsere Liga", meint der Routinier, der schon als Dreijähriger mit dem Eishockey begann. Heimischen Talenten würde er unbedingt raten, ins Ausland zu gehen: "Wenn sich die Möglichkeit ergibt, auf jeden Fall. Das ist nicht nur für die sportliche Entwicklung, sondern auch für die Persönlichkeit enorm wertvoll."

Zukunft in Österreich

Seine persönliche Zukunft sieht Ulrich aber in Österreich: "Ich habe noch ein Jahr einen Vertrag in Düsseldorf, aber früher oder später will ich zurück kommen. Ich möchte auch nach meiner aktiven Karriere weiter im Eishockey arbeiten, als Trainer oder auch im Management-/Marketingbereich." Um die Zukunft des Nationalteams macht sich das ÖEHV-Urgestein trotz verpasster Olympia-Qualifikation jedenfalls keine Sorgen: "Das war zwar eine große Enttäuschung, weil es für mich und einige andere wohl die letzte Olympia-Gelegenheit war. Aber wir haben eine Mannschaft mit Teamgeist und vielen jungen Spielern, die Zukunft hat."

Seinen Kollegen und sich selbst gibt Ulrich die WM-Marschrichtung vor: "Wir können gutes Eishockey spielen, das haben wir schon bewiesen. Sollte die Vorrunde nicht nach Wunsch verlaufen, darf sich keiner fallen lassen. Wir müssen bis zum Schluss kämpfen." (APA)

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    Martin Ulrich hat gelernt, "das Verlieren zu hassen".

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