Vorstand über neue Unternehmensstruktur einig

9. Mai 2005, 14:03
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Sundt gegen Trennung von Mobilfunk und Festnetz - Übernahmen in Südosteuropa auch durch Aktienrückkauf und Schulden finanzierbar

Wien - Der Vorstand der börsenotierten Telekom Austria (TA) hat sich auf eine neue Unternehmensstruktur geeinigt. Diese werde man am Donnerstag dem Strukturausschuss und in Folge dem Aufsichtsrat vorlegen, sagte TA-Generaldirektor Heinz Sundt am Mittwoch vor Journalisten. Die neue Holding-Struktur bilde auch die von ihm gewünschte Konzerneinheit von Mobilfunk und Festnetz ab, die für die geplante Expansion Richtung Südosteuropa notwendig sei.

Wünschenswert für den vorgesehenen Wachstumskurs sei auch ein langfristiger Aktionär, der diese Strategie begleite und auch bei allfälligen Kapitalerhöhungen mitziehe, meinte Sundt Richtung Staatsholding ÖIAG. Er habe den Eindruck, dass das Thema Telekom Austria von der Politik angesichts der möglichen baldigen Neuwahlen nicht intensiv genug aufgegriffen und diskutiert werde, so Sundt, der sich von der ÖIAG eine Analyse darüber wünscht, was für oder gegen einen Verkauf der TA spreche.

MobilTel-Übernahme eventuell schon früher

Die TA steht vor der Übernahme der bulgarischen MobilTel, die "spätestens Anfang des vierten Quartals", aber möglicherweise auch schon früher über die Bühne gehen könnte, so Sundt heute. In Serbien wird die Übernahme des Mobilfunkbetreibers Mobtel angestrebt, hier sei man "gut positioniert". Details dazu wollte Sundt nicht nennen. In Bosnien sehe man die Lage auf Grund politischer Verhältnisse und ungelöster Lizenz- und Eigentümerfragen bei der Eronet weniger optimistisch. Der TA stehe angesichts der fortschreitenden Sanierung der großen Telekomkonzerne für Südosteuropa-Akquisitionen ein Zeitfenster bis spätestens Ende 2006 zur Verfügung.

Für die Finanzierung der Südosteuropaexpansion stehe neben der mit 2 Mrd. Euro bestückten "Kriegskasse" auch ein "Reservebetrag" von rund 240 Mio. Euro durch Aktienrückkäufe zur Verfügung, bemerkte Sundt. Aktien im Wert von 65 Mio. Euro habe man bereits zurückgekauft. Außerdem könne dank des hohen Cash Flows auch kurzfristig der Verschuldungsgrad erhöht werden. Mit der geplanten Expansion könnte der Unternehmenswert der TA um mindestens 30 Prozent gesteigert und der Heimmarkt von 8 auf 35 Mio. potenzielle Kunden erweitert werden.

Sundt gegen Trennung von Mobilfunk und Festnetz

Sundt sprach sich heute dezidiert gegen eine Trennung der Unternehmensbereiche Mobilfunk und Festnetz aus. Ohne Konzerneinheit sei die geplante Expansion Richtung Südosteuropa nicht machbar, betonte Sundt: "Wenn man ein Element herausnimmt, funktioniert das Konzept nicht mehr". Bei einem Verkauf von einem der Unternehmensbereiche wäre hingegen eine Koordination von Festnetz und Mobilfunk nicht notwendig. Die Konzerneinheit sei auch deshalb wichtig, da Festnetz und Mobilfunk derzeit zwar getrennt funktionieren, künftig aber stärker Richtung Konvergenz zusammenwachsen würden, meinte Sundt.

Mit der neuen Holdingstruktur werde die TA als "integrierter Konzern" in die Zukunft gehen, wobei die Interessen von Festnetz und Mobilfunk strategisch verbunden werden sollen, so Sundt. Die Struktur müsse dabei elastisch genug für eine Reaktion auf Marktveränderungen sein. Mit vier Holding-Vorständen kann Sundt "durchaus leben". Die Frage, ob die Festnetz- und Mobilfunktochter als GmbH oder AG unter der Holding geführt werden, sei "irrelevant". Wichtig sei, mit welchen Geschäftsordnungen und Satzungen die Firmen ausgestattet würden, so Sundt.

Im Herbst 2004 hatten TA-Aufsichtsrat und Vorstand vereinbart, dass das Unternehmen unter einer neuen Holding in eine Festnetz- und eine Mobilfunkgesellschaft geteilt werden soll, die Vorstände verfolgten in der Diskussion allerdings unterschiedliche Interessen. Während sich Generaldirektor Heinz Sundt und Finanzchef Stefano Colombo als Vorstände einer neuen starken Holding eine Ausweitung ihres Einflusses erhofften, wollten Festnetzchef Rudolf Fischer und vor allem Mobilkom-Chef Boris Nemsic durch die Eingriffsmöglichkeiten der Holding möglichst viel Eigenständigkeit.

Die Staatsholding ÖIAG hält derzeit noch 25,2 Prozent (exklusive 5-prozentiger Wandelanleihe) an der TA. Der geltende Privatisierungsauftrag sieht einen Verkauf der Telekom Austria von "bis zu" 100 Prozent bis zum Ende dieser Legislaturperiode vor. (APA)

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