"Eine schwache Blase ist kein Schicksal"

4. Mai 2005, 14:52
2 Postings

Rund eine Million Österreicher zeitweise betroffen - Initiative "Blase inForm" will das Thema enttabuisieren

Wien - Mit der am Mittwoch in Wien präsentierten Initiative "Blase inForm" will die Medizinische Kontinenzgesellschaft Österreich (MKÖ) das Thema der Blasenschwäche enttabuisieren. Rund eine Million Österreicher leiden zeitweise - stärker oder schwächer - an Inkontinenz, so Prim. Prof. Dr. Franz Böhmer, ärztlicher Direktor des SMZ-Sophienspital der Stadt Wien. Viele von ihnen würden durch das von der Gesellschaft stigmatisierte Problem in die Isolation und in weiterer Folge in die Depression getrieben.

"Inkontinenz hat einen negativen Stellenwert", sagte Böhmer. Um dem entgegenzuwirken habe man auch die seit 15 Jahren unter dem Namen "Medizinische Gesellschaft für Inkontinenzhilfe Österreich" (GIHÖ) mit sofortiger Wirkung in Medizinische Kontinenzgesellschaft Österreich (MKÖ), also mit Betonung auf "Kontinenz", umbenannt.

Es gibt Hilfe

"Viele glauben, gegen Blasenschwäche gibt es nichts, damit muss man leben. Aber eine schwache Blase ist kein Schicksal. Wir wollen zeigen, dass es Hilfe gibt und diese auch anbieten", so Hofrat Univ.-Prof. Dr. Helmut Madersbacher, Leiter der Neuro-Urologischen Ambulanz am LKH Universitätskliniken Innsbruck und erster Vorsitzender der MKÖ.

Die am Mittwoch vorgestellte Initiative läuft unter dem Motto "darüber reden statt darunter leiden" und setzt auf drei zentrale Säulen: Auf das kostenlose Inkontinenz-Beratungstelefon unter der Nummer 0810-100-455, weiters auf informative Vorträge im kleinen Kreis in ganz Österreich und auf die Website, die alle Aktivitäten und Infos zusammenfasst.

Unnötige Scham

Etwa jede vierte Frau und jeder zehnte Mann in Österreich leiden im Laufe des Lebens laut Böhmer an der so genannten Harninkontinenz. "Zwei von drei ertragen ihr Leiden still und unbehandelt. Aus Scham gehen nur wenige zum Arzt." Dabei gebe es heutzutage eine Reihe von medikamentösen, physikalischen, operativen und alternativen Behandlungsmöglichkeiten der vielen unterschiedlichen Formen der Blasenschwäche, die u.a. durch eine Schwächung des Schließmuskels der Harnblase etwa nach einer Schwangerschaft, aber auch durch starkes Übergewicht, einen Schlaganfall oder durch eine Prostataoperation verursacht werden kann.

Als bewiesen gelte, so Böhmer: Je älter der Mensch, desto höher das Risiko, inkontinent zu werden. Deshalb sei es wichtig, "sich auch im Alter die geistige und körperliche Fitness zu bewahren", so Madersbacher. Denn unbestritten sei auch die höhere Inkontinenzgefahr mit fortschreitender Demenz. Böhmer: "Im Gehirn wurden 30 Zentren entdeckt, die für Kontinenz zuständig sind." (APA)

  • Artikelbild
    foto: photodisc
Share if you care.