"Was einem wichtig ist, dafür findet man immer Geld"

7. Juli 2005, 12:10
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Eine Podiumsdiskussion beleuchtete die "Arbeitsmarkttauglichkeit" des neuen Studienabschlusses Bakkalaureat - Hauptthema war dann aber vor allem der Sparkurs an den Universitäten

"Die Firmen suchen als zukünftigen Mitarbeiter die eierlegende Wollmilchsau", so das Fazit von CATRO-Chef Markus Brenner über die Anforderungen der Wirtschaft an StudentInnen. Flexibilität, Auslandserfahrung, Praktika, Fremdsprachen und schnelles Studieren seien die erwünschte Kombination, "die man aber in der Praxis so gut wie nie findet", so Brenner.

Zahlreiche StudentInnen hatten sich in der Aula der Wirtschaftsuni (WU) Wien versammelt, um der von der SPÖ-Zukunfts- und Kulturwerkstätte veranstalteten Podiumsdiskussion zum Thema "Bakk., Mag., Dr. - AkademikerInnen für die Wirtschaft" zu lauschen. Unter der Moderation von derStandard.at/Uni-Redakteurin Sonja Fercher diskutierten VP-Wissenschaftssprecherin Gertrude Brinek, SP-Bildungssprecher Josef Broukal, CATRO-Personalberater Brenner und VSSTÖ-WU Spitzenkandidatin Maria Maltschnig über die Zukunft der Bologna-Architektur an österreichischen Universitäten.

Einigkeit herrschte darüber, dass es noch keine Erfahrungen mit den Bakk-AbsolventInnen am Arbeitsmarkt gebe. VSSTÖ-Kandidatin Maltschnig äußerte die Befürchtung, durch eine Begrenzung der Master-Studienplätze würden viele Bakkalaurei auf einen Arbeitsmarkt entlassen, der sie gar nicht wolle. Dabei bezog sie sich auf die Aussagen von WU-Rektor Badelt, der nach einem offenen Bakk-Studium eine Beschränkung fürs Masterstudium einführen möchte. "Das ist definitiv kein offener Hochschulzugang mehr", so Maltschnig.

Den Universitäten müsse mehr Geld zur Verfügung stehen, forderte SP-Wissenschaftssprecher Broukal: "Die Zeit des Extremsparens muss endlich vorbei sein". Für heftige Diskussionen sorgte in diesem Zusammenhang die Aussage Brineks, es sei "ja nicht so, dass irgendwas gekürzt worden wäre". Es gäbe ein Budget, das besser sein könnte, aber konstruktives Arbeiten dennoch zulassen würde, so Brinek weiter.

Der Umstand, dass an der WU Wien nur jeder fünfte Bakkalaureat-Absolvent zum Master-Studium zugelassen werden soll, sei Folge des Sparkurses und der daraus resultierenden Geldnot, kritisierte Broukal. Auch die VSStÖ-Spitzenkandidatin für die WU zur ÖH-Wahl, Maria Maltschnig, sprach sich gegen die "falsche Richtung" aus, die die Bildungspolitik in den letzten Jahren eingeschlagen habe.

Für die Mittelbeschaffung gelte der Grundsatz: "Was einem wirklich wichtig ist, dafür findet man immer Geld", auch wenn dies "18 Eurofighter" weniger bedeute, so Broukal.

Auf die Frage, ob es besser sei, das Studium schnell "durchzuziehen" oder schon nebenbei viel Praxis zu sammeln, antwortete CATRO-Chef Brenner, er sei überzeugt von der Wichtigkeit der Zusatzqualifikationen. Vor allem sogenannte Soft Skills und Ostsprachen seien am Arbeitsmarkt gefragt. Brinek betonte den Vorteil des kurzen Studiums, durch das man es in der Hand habe, KonkurentInnen ein "Schnippchen zu schlagen". "Wenn ich nur drei Jahre studiere, und dann schon zwei Jahre Berufserfahrung sammle, habe ich einen Wissensvorsprung", so Brinek. Broukal betonte die Wichtigkeit, den Bakkalaurei die Rückkehr an die Uni nicht durch Zulassungsbeschränkugen bei Masterstudien zu verwehren. "Was, wenn die Wirtschaft die Bakkalaurei doch nicht will?", betonte Broukal. Man müsse dann die Möglichkeit haben, bis zum Master weiterzustudieren. (az)

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