Muti, der "Gastdirigent"

6. Mai 2005, 14:55
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Ehemaliger "Scala"-Chef schließt vorerst aus, Leitungsfunktion in einem Opernhaus oder bei Festspielen zu übernehmen: "Ich habe keine Eile mehr"

Wien - "Ab sofort bin ich Gastdirigent": In einem Interview mit der am Donnerstag erscheinenden Ausgabe der Info-Illustrierten "News" schließt der ehemalige "Scala"-Chef Riccardo Muti vorerst aus, eine Leitungsfunktion in einem Opernhaus oder bei Festspielen zu übernehmen. Im Dezember wird Muti an der Wiener Staatsoper die Neueinstudierung von Mozarts "Figaro" dirigieren, weiters träume er davon, in Wien oder Salzburg Verdis "Otello" zu leiten.

"Ich habe keine Eile mehr"

"Ich übernehme jetzt keine Führungsposition. Ich habe keine Eile mehr, nehme mir Zeit für neue Partituren, neue Erfahrungen", so Muti in "News". "Ich will mich nie mehr mit Gewerkschaften und politischen Parteien befassen. Ich will an Musik denken und sonst nichts." Muti hatte nach wochenlangem Konflikt mit der Belegschaft und der Gewerkschaft die Mailänder Scala verlassen. "An einem bestimmten Punkt des Lebens, wenn man seine Karriere gemacht hat und um nichts mehr kämpfen muss, will man nur noch tief in die Musik gehen", so der Dirigent nun.

An den designierten Intendanten der Salzburger Festspiele, Jürgen Flimm, will Muti in den kommenden Wochen den konkreten Wunsch herantragen, Gaspare Spontinis Oper "Agnes von Hohenstaufen" auf die Bühne zu bringen. "Das ist ein Stück für das Große Festspielhaus. Es braucht ein großes Orchester, ein großes Haus und Geld. Wenn Mr. Flimm es will, ist das eine Option für die gemeinsame Zukunft", so Muti.

"Beziehung zu den Wiener Philharmonikern war immer die Konstante meines Lebens"

Nach dem Ende seiner Funktion an der Scala bekommt für Muti die Zusammenarbeit mit den Wiener Philharmonikern erhöhte Bedeutung. "Die Beziehung zu den Wiener Philharmonikern war immer die Konstante meines Lebens. Jetzt, wo es mit der Scala vorbei ist, blicke ich mit neuem Geist voraus: Ich werde mein Leben nur mit ganz wenigen Orchestern organisieren, die nah an meinem Herzen und meinem Kulturverständnis sind. Wien war immer meine zweite Heimat. Jetzt nimmt es in meinem Leben überragende Position ein", so Muti.

Nächste Woche an der Scala<7b>

Kommende Woche steht jedoch eine Rückkehr an den Schauplatz des großen Konfliktes, die Scala, bevor. Dort wird Muti die Wiener Philharmoniker dirigieren. "Ich hätte das mit einem anderen Orchester sicher abgesagt. Emotionell wird das nicht einfach, dorthin zurückzukehren. Aber jetzt komme ich mit einem großen Orchester, das aus lauter Freunden besteht. Und ich komme aus Respekt vor dem Publikum. Jeder will Muti und die Philharmoniker hören", so Muti.

Die Bestrebungen des neuen Scala-Intendanten Stephane Lissner, Muti für Mozart-Dirigate in das Mailänder Opernhaus zurückzuholen, dürften indes nicht fruchten: "Das habe ich auch in der Zeitung gelesen. Aber: nein." (APA)

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