Schweden: Anzahl apathischer Flüchtlingskinder kräftig gestiegen

2. Mai 2005, 12:26
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Erste umfassende Studie des Phänomens - Forscher erhielten aus Österreich keine Antwort

Stockholm - Die Anzahl von so genannten apathischen Flüchtlingskindern ist in Schweden in den letzten Jahren kräftig angestiegen. Das zeigt eine von der Regierung in Stockholm in Auftrag gegebene Studie, die am Mittwoch in Stockholm vorgestellt wurde. Außer in Schweden ist das Phänomen bisher nur vereinzelt in Norwegen und Finnland aufgetreten. Aus zwei Ländern, darunter aus Österreich, erhielten die Forscher bisher keine Reaktion.

Erste Untersuchung dieser Art

Mit dem Bericht wurden in Schweden erstmals systematisch und umfassend Kinder von Asylanten untersucht, die unter unterschiedlichen Formen von Apathie leiden. Diese reichen von Schulverweigerung bis zu Bettlägrigkeit und Unansprechbarkeit. Während im Jahr 2002 55 Flüchtlingskindern das wissenschaftlich bisher vollkommen ungeklärte Syndrom diagnostiziert wurde, waren es im Folgejahr 116 und im vergangenen Jahr 155. Die Gesamtzahl der bisher in Schweden diagnostizierten Fälle beträgt 410.

Der Großteil der Kinder (über 60 Prozent) kamen aus Staaten der ehemaligen Sowjetunion und aus Ex-Jugoslawien (26 Prozent). Als häufigste Herkunftsregionen der betroffenen Kinder nannte der Leiter der Studie, Nader Ahmadi, einzelne zentralasiatische Staaten, den Kaukasus sowie bestimmte Gebiete auf dem Balkan. In Schweden bemerkten die Forscher eine Häufung im Raum Stockholm. Die Verteilung zwischen Mädchen und Buben stellte sich als sehr ausgeglichen heraus. 80 Prozent der untersuchten Kinder waren zwischen vier und 15 Jahre alt.

Schwedisches Phänomen

Die Wissenschaftler gehen vorläufig davon aus, dass es sich bei der Apathie bei Flüchtlingskindern um ein spezifisch schwedisches Phänomen handelt, ohne jedoch dafür eine Erklärung zu haben. Lediglich in den Nachbarländern Finnland und Schweden wurde man in insgesamt elf Fällen fündig, von denen jedoch neun aus Schweden gekommen waren.

Keine Reaktion aus Österreich

Die Forscher hatten im Zuge der Studie Organisationen und Behörden in sieben europäischen Ländern wegen möglicher Vergleichsfälle kontaktiert. Ahmadi bedauerte, dass die kontaktierten Stellen in Österreich und Großbritannien bisher überhaupt nicht reagierten und aus Dänemark lediglich der Bescheid gekommen sei, man habe dafür keine Zeit. In Deutschland und den Niederlanden wurden laut Ahmadi jedenfalls keine vergleichbaren Fälle festgestellt.

Der Studienleiter kündigte eine demnächst beginnende Folgestudie an, die sich auf die Suche nach den Ursachen konzentrieren soll und weiters auf die Frage, worauf die in den letzten drei Jahren beobachtete "explosionsartige" Häufung der Fälle beruht. Genauer untersucht werden soll auch die Frage, warum es geographische Konzentrationen gibt.

Von den 354 untersuchten Kindern verfügten etwas über 30 Prozent eine permanente Aufenthaltsbewilligung in Schweden, rund 15 Prozent hatten bereits einen Ausweisungsbeschluss erhalten. Ein Teil lebt illegal in Schweden und der Rest befindet sich in einem schwebenden Asylverfahren. (APA)

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