Israelischer Massenprotest im Gaza-Streifen

1. Mai 2005, 20:26
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Solidaritätsbekundung von Siedlern aus dem Westjordanland mit 20.000 Teilnehmern - Militante Palästinenser feuerten Rakete

Neve Dekalim/Kairo - Militante Palästinenser haben am Mittwoch eine der bislang größten Protestaktionen der Siedler gegen den Abzug aus dem Gazastreifen mit Raketen angegriffen. Ein Soldat wurde durch einen Splitter leicht verletzt. Wegen des Angriff wurde die Kundgebung kurz unterbrochen. Die Siedler hatten bis zu 100.000 Teilnehmer zu ihrer Kundgebung in Neve Dekalim erwartet, nach Polizeiangaben kamen aber bis Mittag nur rund 20.000.

Scharfschützen und Straßensperren

In Erwartung von Angriffen sperrten israelische Sicherheitskräfte bereits am Morgen eine wichtige palästinensische Straße und brachten auf dem Dach einer nahe gelegenen palästinensischen Fabrik Scharfschützen in Stellung. Auch die Hauptzufahrtsstraße in den Siedlungsblock Gush Katif wurde für Autos gesperrt, es wurden nur noch Busse durchgelassen.

"Unsere Herzen sind schwer"

Die Demonstranten planten einen Protestmarsch durch die jüdischen Siedlungen an der Küste sowie eine Kundgebung. Viele trugen orangefarbene Ballons, T-Shirts und Hüte mit Aufschriften wie "Ein Jude weist keinen Juden aus". Silvia Masus, Bewohnerin von Neve Dekalim, nannte die festliche Atmosphäre irreführend. "Unsere Herzen sind schwer", sagte die 44-Jährige, die seit 14 Jahre in der Siedlung lebt. Sie wisse nicht, wie es nach einer Räumung für ihre Familie weitergehen solle, und hoffe, dass die Regierung den Plan noch aufgeben werde.

Die Räumung aller 21 jüdischen Siedlungen im Gazastreifen und vier weiterer im Westjordanland soll Ende Juli beginnen. Die Regierung erwägt jedoch derzeit eine Verschiebung auf Mitte August, die Entscheidung darüber wird in der kommenden Woche erwartet. Noch ist nicht abschließend geklärt, wie die Siedler entschädigt und wohin sie umgesiedelt werden sollen. Einem Zeitungsbericht zufolge sollen sie an einem zwölf Kilometer langen Küstenstreifen nahe der südisraelischen Stadt Ashkelon angesiedelt werden. Die Regierung bestätigte die Angaben zunächst nicht.

Sondergericht

Der palästinensische Ministerpräsident Ahmed Korei kündigte die Einsetzung eines Sondergerichts für künftige Entschädigungsforderungen nach dem Abzug an. Nach Schätzung der palästinensischen Behörden gehören mehr als 90 Prozent der Fläche, die Israel räumen will, der palästinensischen Regierung. Beim Rest handle es sich um Privatbesitz, den Israel beschlagnahmt habe. (APA/AP)

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    Das israelische Militär überwachte die Proteste.

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    Siedler und ihre Anhänger demonstrierten am Strand in der Nähe der jüdischen Siedlung Neve Dekalim.

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