Entdeckung einer Totenstadt könnte Wiedererrichtung des Obelisken von Aksum verzögern

4. Mai 2005, 12:29
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Messungen: Netzwerk unterirdischer Räume erstreckt sich über ein weit größeres Gebiet als gedacht

Addis Abeba - In unmittelbarer Nähe des Originalstandorts des "Obelisken von Aksum" in Äthiopien haben Experten eine weitläufige unterirdische Totenstadt aus vorchristlicher Zeit entdeckt. Die Kammern und Arkaden seien unter einem 1963 erbauten Parkplatz in der Umgebung der historischen Stätte aufgespürt worden, teilte die UN-Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) am Dienstag in Addis Abeba mit.

Grabstätte mehrerer Dynastien

Die Entdeckung sei im Zusammenhang mit Vorbereitungen zur jüngst erfolgten Rückkehr des "Obelisken von Aksum" aus Italien gemacht worden, als ein Team von UN-Wissenschaftern die Bodenbeschaffenheit rund um den vorgesehenen Standort der Säule mit Radar und elektrotomographischen Geräten überprüft habe. Bei der entdeckten Grabstätte handelt es sich den Angaben zufolge um eine königliche Totenstadt, die in vorchristlicher Zeit von mehreren Königs-Dynastien genutzt wurde.

Das Netzwerk unterirdischer Räume erstreckt sich demnach über ein weit größeres Gebiet als die bisher bekannten Ausmaße der Stätte. Einige der darin befindlichen Gräber seien möglicherweise noch intakt, erklärte UNESCO-Chef Koichiro Matsuura.

Mögliches Statik-Problem

Der UNESCO-Leiter in Äthiopien, Awad El Hassan, betonte, die Entdeckung könne jedoch unter Umständen die Wiedererrichtung des "Obelisken von Aksum" verzögern. Zunächst müsse geprüft werden, ob der Transport der tonnenschweren Säulenteile über das Gelände die Statik der unterirdischen Kammern gefährden könnte.

Der Rücktransport der drei Teilstücke des insgesamt 150 Tonnen schweren Obelisken aus Italien war am Montag abgeschlossen worden. Der 2.500 Jahre alte Basalt-Obelisk war unter dem faschistischen Regime von Benito Mussolini 1937 abtransportiert und in Rom aufgestellt worden. Äthiopien hatte stets die Rückgabe der Grabstele gefordert. Eine Vereinbarung darüber besteht zwar bereits seit 1947. Dennoch dauerte es Jahrzehnte, bis die Rückführung des 24 Meter hohen Denkmals in die Tat umgesetzt wurde.(APA)

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