Vom Paradeunternehmen zum Buhmann

8. Mai 2005, 10:18
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Microsofts Kurswechsel in der Frage der Gleichberechtigung von Lesben und Schwulen sorgt für Diskussionen

Der Softwarekonzern Microsoft sieht sich derzeit heftiger Kritik - sowohl von außerhalb wie auch intern - ausgesetzt. Der Grund hierfür liegt im überraschenden Rückzieher des Unternehmens bei der Unterstützung für ein Antidiskriminierungsgesetz im US-Bundesstaat Washington.

Inkonsequenz

Der Softwarekonzern kam nach seiner Ankündigung die Unterstützung für das Gesetz einzustellen, heftig unter Kritik. Nicht nur Aktivisten von schwulen und lesbischen Organisationen "bombardierten" den Konzern mit E-Mails, auch viele MitarbeiterInnen brachten ihr Unverständnis zum Ausdruck. Microsoft war in der Vergangenheit klar für die Gleichberechtigung von Lesben und Schwulen eingetreten. So führte Microsoft als erstes Unternehmen in den USA eine Gleichbehandlung aller Partnerschaften bei Arbeitgeberleistungen ein.

Die Gründe

Die Gründe für den Rückzug des Unternehmens sind derzeit noch nicht geklärt: Kritiker vermuten, dass Drohungen des überregional bekannten christlich-fundamentalistischen Pfarrers Ken Hutcherson, der zu einem Boykott von Microsoft-Produkten aufrufen wollte, zu der Entscheidung führten. Aber auch die Geschäftsbeziehungen zum Lobby-Unternehmen Century Strategies von Ralph Reed, der vor einigen Jahren als Chef der konservativen Christian Coalation tätig war und enge Beziehungen zum christlich-fundamentalistischen Flügel der Republikaner unterhält, gelten als Auslöser.

Bill Gates und Steve Ballmer

Während Steve Ballmer in einem Mail an die Belegschaft des Softwarekonzerns - der WebStandard berichtete - zwar ausdrücklich betonte, dass er und Bill Gates voll hinter der Gesetzesinitiative stehen würden, aber zahlreiche Angestellte und AnteilseignerInnen nicht und es daher fraglich sei, ob sich ein Unternehmen in soziale Debatten einmischen sollte oder könne - ging Microsoft-Chef Gates in eine andere Richtung. In einem seiner seltenen Interviews meint der Konzern-Chef, dass er über die Reaktionen der Entscheidung von Microsoft sehr überrascht gewesen sei. Wie Gates gegenüber der "The Seattle Times" betonte, könne er sich aber einen Kurswechsel im nächsten Jahr vorstellen. "Wir haben sehr viele Beschäftigte, die uns diesbezüglich ein Mail geschickt haben. Wenn diese Thematik wieder Thema wird, werden wir dies als einen großen Faktor bei unserer Entscheidungsfindung heranziehen".

Keine Differenzen

Mark Murray, Sprecher von Microsoft, meinte gegenüber der New York Times, dass die Aussagen von Bill Gates in keinerlei Widerspruch zu Steve Ballmers Mail stehen würden. Es gehe hierbei vor allem um den zukünftigen Umgang Microsoft mit sozialen Themen. Ob und wie sehr sich ein Unternehmen in sozialpolitische Themen einmischen könne und dürfe, müsse Microsoft erst einmal intern diskutieren und für sich selbst definieren.

Reed oder nicht

Auf den Vorwurf, dass die Zusammenarbeit mit Reed könnte zu dieser Entscheidung geführt haben, meldeten Konzern-Sprecher, dass dieser schon seit einigen Jahren für Microsoft tätig sei und es daher keinerlei Zusammenhänge gäbe.(red)

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